Blockchain-News: Meme-Token, Botnetz und Europas neue Finanzinfrastruktur
Autor: Alexander Weipprecht
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Kategorie: News
Zusammenfassung: Der Pressespiegel beleuchtet CASHCATs Aufstieg, das Blockchain-Domain missbrauchende Botnetz Dysphoria und das regulierte RL1-Netzwerk europäischer Finanzinstitute.
Der aktuelle Pressespiegel zeigt die ganze Spannbreite der Blockchain-Branche: Während der Meme-Token CASHCAT auf der Robinhood Blockchain für Bewegung sorgt, missbraucht das Botnetz Dysphoria dezentrale Domains für Cyberangriffe. Gleichzeitig treiben europäische Finanzinstitute mit RL1 die regulierte Tokenisierung voran – flankiert von Personalien und neuen Impulsen aus der KI- und Blockchain-Start-up-Szene.
Pressespiegel: Blockchain zwischen Meme-Token, Cybercrime und Finanzinfrastruktur
Cash Cat erobert die Führung auf der Robinhood Blockchain zurück
Der Token Cash Cat (CASHCAT) ist laut BeInCrypto innerhalb von 24 Stunden um etwa 16% gestiegen und hat sich damit erneut den ersten Platz als größter Token nach Marktkapitalisierung auf der Robinhood Blockchain gesichert. Zuvor hatte Pons (PONS) diese Position eingenommen, während CASHCAT im Juli deutlich nachgegeben hatte.
Als Auslöser für den Anstieg nennt BeInCrypto den Quartalsbericht von Robinhood. Das Unternehmen meldete am 29. Juli ein Rekordergebnis für das zweite Quartal mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden USD, einem Anstieg von 32% gegenüber dem Vorjahr, sowie einem Gewinn je Aktie von 0,62 USD. Die Einnahmen aus Krypto-Transaktionen erreichten 100 Millionen USD.
Während der Ergebnispräsentation zeigte Robinhood-Chef Vlad Tenev die Robinhood-Apps und Aktien-Token auf seinem Handy. Trader entdeckten CASHCAT in seiner aktuellen Suchliste, woraufhin der Token zulegte. Tenev äußerte sich außerdem zur Blockchain des Unternehmens:
„Ich denke, wir haben die Robinhood Blockchain speziell für reale Vermögenswerte gebaut. Ich möchte klarstellen, dass ich Memecoins ebenfalls mag”, sagte Tenev während des Berichts.
CASHCAT hat seinen Namen laut BeInCrypto von dem Arbeitstitel übernommen, den Robinhood vor dem Rebranding verwendet hatte. Die erste Rallye begann nach dem Start der Blockchain am 1. Juli, wobei der Token eine Marktkapitalisierung von über 200 Millionen USD erreichte.
In den vergangenen zwei Wochen verlor CASHCAT etwa 47,2%, wodurch PONS zum größten Token nach Marktkapitalisierung aufstieg. Zum Zeitpunkt des Artikels lag der Preis für CASHCAT bei etwa 0,0469 USD, was einem Tagesplus von rund 16% entsprach.
Auch beim Handelsvolumen lag CASHCAT an der Spitze. Seit dem Start wurden 1,57 Millionen Handelsvorgänge von 51.638 verschiedenen Tradern registriert, während das Gesamtvolumen laut Dune Daten 890,5 Millionen USD betrug. Das 24-Stunden-Handelsvolumen von CASHCAT belief sich auf 28,2 Millionen USD und war damit mehr als viermal so hoch wie das von PONS mit 6,3 Millionen USD.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Tagesentwicklung CASHCAT | etwa 16% |
| Preis zum Zeitpunkt des Artikels | etwa 0,0469 USD |
| Rückgang in den vergangenen zwei Wochen | etwa 47,2% |
| Handelsvorgänge seit dem Start | 1,57 Millionen |
| Verschiedene Trader | 51.638 |
| Gesamtvolumen | 890,5 Millionen USD |
| 24-Stunden-Volumen CASHCAT | 28,2 Millionen USD |
| 24-Stunden-Volumen PONS | 6,3 Millionen USD |
| Rekordhoch | 0,228 USD |
| Datum des Rekordhochs | 11. Juli |
| Abstand zum Rekordhoch | etwa 79% |
Infobox: CASHCAT führt nach einem Anstieg von etwa 16% wieder die Robinhood Blockchain nach Marktkapitalisierung an. Der Token wird weiterhin etwa 79% unter seinem am 11. Juli erreichten Höchststand von 0,228 USD gehandelt.
Botnetz Dysphoria infiziert rund 200.000 Geräte
Das Botnetz Dysphoria hat laut IT-Daily weltweit rund 200.000 Geräte infiziert. Die Schadsoftware nutzt dezentrale Domain-Name-Systeme auf Basis der Blockchains Ethereum (ENS) und Solana (SNS), um ihre Befehls- und Steuerungsarchitektur zu tarnen, und führt DDoS-Angriffe aus.
Sicherheitsforscher von QiAnXin XLab analysierten die Malware-Familie, die sich aus den älteren Malware-Stämmen jackskid und fbot weiterentwickelt hat. Die Serveradressen werden in gefälschten IPv6-Zeichenketten verborgen und über einen kundenspezifischen Byte-Transformationsalgorithmus ausgelesen.
Nach Angaben der Forscher verfolgt XLab Dysphoria seit dem ersten Quartal 2026. Die Bot-Anzahl übersteigt 200.000, während die Schadsoftware innerhalb weniger Monate häufige Varianten-Updates und technische Iterationen durchlaufen hat.
„Seit dem ersten Quartal 2026 hat XLAB kontinuierlich eine aufstrebende Botnetz-Familie namens Dysphoria verfolgt, deren Bot-Anzahl 200.000 übersteigt. In nur wenigen Monaten hat die Familie häufige Varianten-Updates und technische Iterationen durchlaufen, was eine extrem starke Widerstandsfähigkeit zeigt.“
Infizierte Systeme senden ein festes, 78 Byte großes Paket zur Anmeldung und als Herzschlag-Signal an den Befehlsserver. Über diese Verbindung empfangen sie Befehle für Distributed-Denial-of-Service-Angriffe einschließlich Angaben zu Dauer, Angriffstyp, Ziel und konfigurierbaren Parametern.
Eine Ende Juni 2026 identifizierte Variante verzichtete vollständig auf DDoS-Funktionen. Stattdessen diente sie ausschließlich dazu, infizierte Geräte in Netzwerk-Proxys umzuwandeln. Dafür missbrauchte die Software das Protokoll UPnP und legte 155 Port-Weiterleitungsregeln auf den Geräten an.
Betroffen sind unter anderem Router, Kameras und IoT-Geräte. Die Infektion erfolgt über schwache Zugangsdaten bei Telnet und SSH sowie über Sicherheitslücken.
- CVE-2025-55182 (React2Shell)
- CVE-2025-34152 und CVE-2025-28137 (Totolink)
- CVE-2025-9528 (Linksys)
- CVE-2017-17215 (Huawei)
- CVE-2020-8515 (DrayTek)
Im Zeitraum vom 14. bis 20. Juli 2026 registrierte XLab in der Spitze 740.000 tägliche Anfragen von infizierten Systemen. Die Betreiber bewerben den Dienst auf einer Webseite im frei zugänglichen Internet als angeblichen Belastungstest mit einer Angriffsleitung von bis zu 4 Terabit pro Sekunde (Tbps).
IT-Daily verweist zur Abwehr auf zeitnahe Firmware-Updates, die Änderung von Standard-Administratorpasswörtern und die Deaktivierung nicht benötigter Fernzugriffsfunktionen.
Infobox: Dysphoria infizierte rund 200.000 Geräte und nutzt Blockchain-basierte Domains für die C2-Infrastruktur. XLab registrierte bis zu 740.000 tägliche Anfragen, während eine Variante 155 Port-Weiterleitungsregeln über UPnP anlegte.
Zehn europäische Finanzinstitute starten das RL1-Netzwerk
Zehn europäische Banken und Finanzdienstleister haben laut BTC-ECHO eine gemeinsame Blockchain-Infrastruktur für tokenisierte Wertpapiere gestartet. Die Regulated Layer One soll den fragmentierten DLT-Markt zusammenführen und einheitliche Standards für die tokenisierte Wertpapierabwicklung schaffen.
RL1 ist keine öffentliche Blockchain. Nur zugelassene Teilnehmer können auf das Netzwerk zugreifen. Das Projekt basiert auf dem bisherigen DLT-Netzwerk des Frankfurter Fintech-Unternehmens SWIAT, das von der Genossenschaft übernommen wurde.
Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem DekaBank und die niederländische ABN Amro. Der zentrale Unterschied zu vielen bisherigen Bankprojekten liegt laut BTC-ECHO in der gemeinsamen Governance. Zuvor entwickelten zahlreiche Institute eigene DLT-Systeme, die technisch und rechtlich kaum miteinander kompatibel waren.
Der Erfolg der Infrastruktur hängt nach Einschätzung von BTC-ECHO von ihrer künftigen Nutzung und der Marktakzeptanz ab. An einem DLT-Pilotregime der Europäischen Zentralbank im Mai 2025 beteiligten sich 64 Marktteilnehmer aus neun Ländern und wickelten Transaktionen im Wert von fast 1,6 Milliarden Euro ab.
Im dritten Quartal 2026 will die EZB mit ihrem Pontes-Programm eine Verbindung zwischen institutionellen Blockchain-Netzwerken und dem bestehenden TARGET-System schaffen. Dadurch könnten tokenisierte Wertpapiere künftig direkt gegen Gelder der europäischen Zentralbank abgewickelt werden.
Infobox: RL1 soll als zugelassene Blockchain gemeinsame Standards für tokenisierte Wertpapiere und institutionelle Abwicklungen schaffen. Als entscheidend für den Erfolg gelten die tatsächliche Nutzung des Netzwerks und seine Marktakzeptanz.
Managementwechsel bei Spirit Blockchain Capital
Spirit Blockchain Capital Inc. teilte laut MarketScreener Deutschland mit, dass Raymond O'Neill seine Funktion als interimistischer Finanzvorstand (CFO) abgibt. Er bleibt dem Unternehmen weiterhin als Vorsitzender des Verwaltungsrats erhalten.
Die Änderung trat am 29. Juli 2026 in Kraft. Weitere Angaben zu den Hintergründen des Wechsels enthält die Meldung von MarketScreener Deutschland nicht.
Infobox: Raymond O'Neill ist seit dem 29. Juli 2026 nicht mehr interimistischer CFO von Spirit Blockchain Capital Inc., bleibt jedoch Vorsitzender des Verwaltungsrats.
RL1 als regulierte europäische Blockchain-Infrastruktur
AD HOC NEWS berichtet ebenfalls über den Start des regulierten Blockchain-Netzwerks RL1 (Regulated Layer One). Ein Konsortium aus zehn europäischen Finanzinstituten gründete am 28. Juli eine europäische Genossenschaft mit Sitz in Luxemburg, die eine gemeinsame Infrastruktur für die Ausgabe und Abwicklung digitaler Vermögenswerte schaffen soll.
Zu den Gründungsmitgliedern zählen ABN AMRO, Cecabank, Chartered Investment, Crédit Mutuel Alliance Fédérale, DekaBank, DZ BANK, LBBW, Natixis CIB, SC Ventures und Seturion. Jedes Institut verfügt über gleiche Stimmrechte, wodurch eine neutrale Steuerung des Netzwerks sichergestellt werden soll.
Branchenkreisen zufolge führt NatWest Gespräche über einen Beitritt. Die staatlichen Förderbanken KfW und L-Bank unterstützen das Vorhaben. Die operative Führung übernimmt Henning Vollbehr, der zuvor bei SWIAT tätig war und das Netzwerk von der technischen Entwicklungsphase in den Live-Betrieb überführen soll.
RL1 basiert auf der Distributed-Ledger-Technologie, die ursprünglich von SWIAT entwickelt wurde. Mit dem Start ging das Eigentum am Produktionsnetzwerk auf die Genossenschaft über, während SWIAT als Technologiepartner und Betreiber an Bord bleibt.
Die Infrastruktur befindet sich laut AD HOC NEWS seit rund drei Jahren im Produktionsbetrieb. In dieser Zeit wurden über 50 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 700 Millionen Euro abgewickelt. RL1 ist ein berechtigungsbasiertes Netzwerk; eine eigene Kryptowährung oder einen Token gibt es nicht.
- Ausgabe und Handel digitaler Anleihen
- Verwaltung tokenisierter Vermögenswerte und Sicherheiten
- Regulierte Zahlungen und Stablecoins
- Allgemeine Abwicklungsdienste für digitales Geld
Das Netzwerk ist auf die EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Werte (MiCA) und das DLT-Pilotregime zugeschnitten. Die Genossenschaft stimmt ihre technischen Standards außerdem mit den EZB-Initiativen Pontes und Appia ab, die auf die Abwicklung mit Zentralbankgeld abzielen.
Für die zweite Jahreshälfte sind weitere Schritte vorgesehen. Die Pontes-Initiative der EZB soll im dritten Quartal 2026 eine wichtige Phase erreichen, während die KfW angekündigt hat, bestehende digitale Anleihen im Herbst auf die RL1-Infrastruktur zu migrieren.
Infobox: RL1 wurde am 28. Juli als regulierte Blockchain-Infrastruktur von zehn europäischen Finanzinstituten gestartet. Das Netzwerk hat keine eigene Kryptowährung oder keinen Token und hat bereits über 50 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 700 Millionen Euro abgewickelt.
Deeptech-Podcast beleuchtet Blockchain- und KI-Anwendungen
Der Aktionär widmet eine neue Folge des Podcasts „deeptech INSIGHTS“ jungen Unternehmen, die an der Anwendungsebene von Blockchain und Künstlicher Intelligenz arbeiten. Im Mittelpunkt steht die Perspektive eines Frühphasen-Investors auf Start-ups an der Schnittstelle von Blockchain, KI und praktischen Anwendungen.
Podcast-Host Sascha Röhrer spricht mit Sagar Barvaliya, Founding Partner bei Blockchain Founders Capital. Der deutsche Frühphasen-Venture-Capital-Investor unterstützt Start-ups, die Anwendungen auf Basis von Blockchain und Künstlicher Intelligenz entwickeln.
Die Folge erscheint laut Der Aktionär im Rahmen eines Podcasts, der immer mittwochs auf Amazon Music, Apple Podcasts, Spotify, YouTube und überall dort veröffentlicht wird, wo es Podcasts gibt.
Infobox: Die neue Folge von „deeptech INSIGHTS“ behandelt Blockchain- und KI-Start-ups sowie die Perspektive eines Frühphasen-Investors. Gesprächspartner ist Sagar Barvaliya von Blockchain Founders Capital.
Einschätzung der Redaktion
Die entscheidende Entwicklung ist die zunehmende Trennung zwischen spekulativer Sichtbarkeit und belastbarer Infrastruktur. Meme-Token bleiben stark von Aufmerksamkeit abhängig, während regulierte Netzwerke wie RL1 auf Standardisierung, Governance und institutionelle Nutzung zielen. Parallel zeigt Dysphoria, dass Blockchain-Komponenten auch zur Verschleierung krimineller Infrastrukturen eingesetzt werden können. Für den Markt bedeutet das: Der langfristige Wert der Technologie wird weniger an Token-Rankings als an sicherer, regulierter und tatsächlich genutzter Infrastruktur gemessen.
Zusammenfassung: Die Relevanz verschiebt sich von kurzfristiger Token-Spekulation hin zu institutioneller Nutzbarkeit und Cybersecurity.
Quellen:
- Cash Cat holt sich nach Q2-Ergebnisbericht die Robinhood-Blockchain-Krone zurück
- Botnetz Dysphoria kapert 200.000 Geräte via Blockchain-C2
- Diese Banken-Blockchain soll Europas Finanzmarkt verändern
- Spirit Blockchain Capital Inc. gibt Managementwechsel bekannt - wirksam ab 29. Juli 2026
- RL1-Netzwerk: Zehn europäische Banken starten regulierte Blockchain
- Neue Folge von deeptech INSIGHTS: Wo Blockchain und KI auf echte Anwendungen treffen