Veröffentlicht: 04.05.2020

Szenarien vor und nach dem Bitcoin Halving Event

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Keine Prognose, nur Spekulation

Grundsätzlich sollte man sich bei jeder „Prognose“ einige wichtigen Fragen stellen: Gibt es irgend jemand auf dieser Welt, der zu 100% wissen kann, wie eine Sache ausgeht? Sollte man diese Frage mit „Ja“ beantworten, ist diese Person in der Lage den Ausgang zu seinen Gunsten zu ändern? Daraufhin kommt eine weitere wichtige Frage: Welche Interesse hat eine solche Person oder eine solche Gruppe?

Diese einleitenden Fragen wirken ggf. ein wenig befremdlich, jedoch liegen diese Gedanken eine Idee zugrunde. Eine Prognose im Kryptomarkt basiert entweder auf der Vorhersage von Verhalten der Masse oder einzelner wichtiger Akteure. Welche Akteure befinden sich auf diesem Markt und welche Interessen verfolgen diese Personen oder Gruppen?

In diesem Beitrag gehe ich auf die einzelnen Akteure und deren Interessen ein. Auf Basis dieser Einschätzung, entwickle ich unterschiedliche Szenarien für deren Handlungen. Ich bin wie immer offen für Kritik und Verbesserungsvorschläge.

Akteur Nr. 1: Die Miner

Einfluss

Die Miner betreiben das Wichtigste am ganzen Bitcoin: das Netzwerk. Die großen Miner und Mining Pools verdienen täglich eine große Menge Bitcoins. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung, Miner würden den Bitcoin Preis durch Abverkauf klein halten, zeigt dieser Artikel recht schön, dass Miner zu den großen HODERn gehören. Komplett logisch eigentlich, wieso sollten die Miner einen Preis dumpen wollen, von dem sie nachhaltig abhängig sind.

Ziel

Wie jedes Unternehmen, wollen Mining Unternehmen natürlich in erster Linie Gewinne erwirtschaften. Bitcoin Miner stehen hier jedoch in einer Art selbst geschaffenen Moral Hazard. Verkaufen die Miner zu viele Bitcoin, schaden sie nachhaltig ihrem eigenen Geschäftsmodell. Bitcoin zu verkaufen, bedeutet für diese Art von Walen auch den Verkauf von Kontrolle.

Szenario vor den Halfing

Auch Bitcoin Miner stehen in einem starken Wettbewerb. In den letzten Wochen gab es starke Gerüchte, dass Miner den Preis absichtlich dumpen, um kleinere Mitbewerber aus dem Markt zu drängen. Wie müsste so ein Vorgang ablaufen?

Zunächst müssten diese Miner aktiv gegen den Markt wetten, am besten mit einem starken Hebel. Gleichzeitig müssten sie den Markt durch starken Abverkauf zum Einbruch bringen. Durch diese Bewegung könnten die Miner sich ein starkes finanzielles Polster für die Zeit nach dem Mining aufbauen. Die Erfahrung hat gezeigt, es dauert einige Monate, bis der Halfing Effekt auch positive Auswirkungen auf den Preis hat.

Im Wissen, dass der Markt aufgrund der FOMO (Fear of missing out) vieler Anleger, sich schnell wieder erholt, könnten die Miner auf diesem Weg regelmäßig große Gewinne erzielen und den Mining Betrieb im Falle einer starken Miner Kapitulation bis zum Difficulty Adjustment (Anpassung der Schwierigkeit) trotz Verluste weiter tragen.

In diesem Szenario rechnen die großen Miner tatsächlich mit einer starken Kapitulation ihrer Wettbewerber und rüsten sich dagegen aus.

Szenario nach dem Halfing

Im besten Fall würden die Miner versuchen, so schnell wie möglich wieder in den Normalzustand zurück zu finden. Starkes halten der nun deutlich weniger verfügbaren Bitcoin, könnte wie auch in der Vergangenheit, einen deutlichen Preisanstieg bringen und die Existenz der Miner auch für die kommenden Jahre sichern.

Was spricht für und gegen dieses Szenario?

Das Problem ist, es gibt nicht „die Miner“. Das Bitcoin Netzwerk ist riesig, auch wenn es einige sehr große Mining Unternehmen gibt, so würde ein solches Verhalten sicherlich auffallen. Die Bitcoin Blockchain ist transparent, so sieht man auch, welche Adresse regelmäßig und viele Block Rewards erhält. In Zeiten einer FOMO vor einem Halving Event, währe eine solche Strategie zudem enorm riskant.

Für dieses Szenario spricht, dass die sogenannten „High Miner“ wie z.B.: Genesis Mining, durchaus ein Interesse an der Stärkung ihrer Position im Markt haben. Sollten viele kleiner Miner das Halfing nicht überleben, so wächst die Macht der großen Mining Konzerne.

Akteur Nr. 2: Die Bitcoin Wale

Einfluss

Die Bitcoin Wale haben einen enormen Einfluss auf dem Bitcoin Preis. Mittlerweile gibt es sogar Dienste, welche die großen Bitcoin Wallets überwachen und über Bewegungen informieren. In der Vergangenheit wurden viele Kurseinbrüche oder Kursmanipulationen den großen Walen zur Last gelegt.

Einige der größten Wale sind jedoch Börsen, Länder und Investment Gesellschaften…und natürlich Satoshi Nakamoto selbst.

Ziel

Ebenso wie die Miner, wollen auch Bitcoin Wale ihren Profit maximieren. Der Unterschied zwischen den Minern und einem Bitcoin Wal ist jedoch, dieser kann einen Exit ohne Rücksicht auf Verluste des Netzwerks durchführen. Ein „Nach mir die Sintflut – Move“ kann sich ein großer Miner in der Regel nicht leisten. Was ist dran an der Geschichte über den großen bösen Bitcoin Wal?

Viele große Wale kaufen oder verkaufen jedoch gar nicht über reguläre Börsen, sondern über OTC (Over the Counter) Systeme. Der Grund für dieses Handeln ist:

  • Hohes Volumen und fixer Preis
  • Der Kurs wird nicht positiv oder negativ beeinflusst

Wieso sollte das einen Wal interessieren denkt ihr euch? Ganz einfach, verkauft ein Wal eine große Menge Bitcoin über eine Börse, so macht er sich bei hohem Volumen seinen Verkaufspreis kaputt. Außerdem verkauft ein Wal ja nicht immer alle seine Coins, zerstört er den Preis, so schadet er sich am Ende doch auch selbst. Ebenso verhält es sich mit dem Kauf, pumpt er dein Preis in die Höhe, muss er bei späterem Zukauf ebenfalls einen höheren Preis zahlen.

Szenario vor dem Halving

1. Pre-Halving Dump Schnäppchen

Isoliert vom Mining Markt investierte Wale werden voraussichtlich versuchen, den Preis des Bitcoin noch etwas nach unten zu drücken. Ein Pre-Halving Dump würde den Walen einen vielleicht letzten günstigen Preis ermöglichen.

Wie läuft so ein Prozess in der Praxis ab? Grundsätzlich ist jede Form der Preismanipulation auch für einen Wal enorm riskant. Hierbei setzten die Wale auf einen Lawinen-Effekt durch Stop Loss Orders. Unterschreitet der Bitcoin einen gewissen Preis auf einer Börse, werden lawinenartig weitere Verkaufsorder ausgelöst. Für diese Verkaufsaufträge muss es auf der Gegenseite ja einen Käufer geben…hier kommen die Wale wieder ins Spiel.

2. Pre-Halving Abverkauf aufgrund von Unsicherheit

Ausgehend von Risiken wie „Miner Kapitulation“ oder der aktuellen Wirtschaftskrise, könnten auch viele Wale zunächst ihr Kapital in Sicherheit bringen.

3. Wale nehmen keinen Einfluss beim Halving

Eine dritte und für mich durchaus plausible Perspektive ist, dass viele Wale in dieser kritischen Zeit eher Ruhe bewahren und die Situation beobachten. Blinder Aktionismus kann in dieser kritischen Zeit auch viel Geld kosten.

Szenario nach dem Halving

Je nach Ausgang des Halving werden große Wale sicherlich ihre Portfolios aufstocken. Ein Kurseinbruch nach dem „Halving Hype“ aufgrund enttäuschter Anleger ist gut vorstellbar. Wie bei jedem Hype geht es nicht nur um einen generellen Kursanstieg, es geht immer um das erfüllen von Erwartungen. Viele neue Anleger erhoffen sich gar eine Verdopplung, trifft diese nicht ein, so könnte auch ein großer Abverkauf die Folge sein.

Hier entsteht wieder eine gute Kaufgelegenheit für die Wale. Vielen Walen geht es nämlich nicht ausschließlich um einen USD-Cost-Average, viele Wale möchten im Bitcoin Netzwerk Einfluss und Macht gewinnen.

Akteur Nr. 3: Die normale Anleger

Einfluss

Auch wenn der normale Anleger als einzelner keinen großen Einfluss auf den Preis hat, so steuert er dennoch als Kollektiv am Ende die Richtung. So hilft es manchmal, sich vor einem Kauf oder Verkauf, über die eigenen Motive nachzudenken. Frei nach dem Motto: „Wenn ich aus diesem Grund kaufe oder verkaufe, könnten auch andere Menschen so denken?“.

Ziel

Aufgrund meiner drei jährigen intensiven Erfahrung durch das Krypto Magazin, glaube ich, einen großen Teil der Anleger gut einschätzen zu können. Es gibt sicherlich einen großen Teil von Menschen, die nachhaltig an den Bitcoin und sein Konzept glauben. Diese Anleger werden ihre Bitcoin ggf. noch an ihre Kinder vererben. Dagegen steht jedoch eine sehr große Anzahl an kurzfristigen Spekulanten. Viele Menschen erhoffen sich durch den Bitcoin eine Abkürzung zu Wohlstand und Reichtum.

Szenario vor dem Halving

Meiner Analyse in Chats, Foren und anderen Gruppen zu folge, erhoffen sich viele Anleger einen kurzfristigen massiven Preisanstieg durch das Halving. Das Problem bei solchen Pump-Situationen ist dann immer der Ausstieg. Wer den Bitcoin nicht als Store of Value sondern mehr als kurzfristige Spekulation betrachtet, der wird bei dem kleinsten Anzeichen von Unsicherheit den Markt wieder verlassen.

Unerfahrene Anleger verschlimmern die Situation im Falle eines Preiseinbruchs oft noch. Aufgrund von Panik werden Bitcoin plötzlich unter dem eigenen Einkaufspreis abverkauft. Jede Vernunft und Logik wird in solchen Szenarien außer kraft gesetzt. Vielen Privatanlegern im Kryptomarkt fehlt die Erfahrung und die psychische Stärke im Umgang mit der hohen Volatilität.

Szenario vor dem Halving

1. Der Preis steigt

Steigt der Bitcoin tatsächlich nach dem Halving Event, werden viele Anleger womöglich einen Teil der Gewinne mitnehmen oder sogar nachkaufen. Durch das Halving Event kommen nun auch viele neue Anleger in den Markt. Der erste Kauf von Bitcoin ist für die Meisten oft die größte zu überwindende Hürde.

2. Der Preis fällt oder bleibt unverändert

Wie bereits einleitend erwähnt, wird es aus meiner Sicht eine Flucht aus dem Markt geben und erneut viele neue Anleger verschrecken. Der Zeithorizont vieler privater Anleger ist besonders in Zeiten von Corona und einer möglichen Wirtschaftskrise mit Jobverlust verständlicherweise nicht sonderlich lang.

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