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News Redaktion Krypto-Magazin · Stand

Bitcoin erholt sich trotz Regulierungsstreit und ETF-Abflüssen

Inhalt 7 Abschnitte

Bitcoin steht zwischen politischem Gegenwind, wachsender Konkurrenz durch Gold und einer überraschend dynamischen Markterholung. Während das Scheitern des Clarity Act die Regulierungsdebatte neu entfacht, sorgen ETF-Zuflüsse, Fed-Signale und institutionelle Positionierungen für Bewegung. Der Pressespiegel zeigt, welche Faktoren jetzt über die Richtung des Kryptomarkts entscheiden könnten.

Bitcoin zwischen Regulierung, Gold-Konkurrenz und Markterholung

Clarity Act scheitert – Streit über den fundamentalen Wert von Bitcoin

Der US-Senat hat den Clarity Act bei einer Verfahrensabstimmung an der erforderlichen Zahl von 60 Stimmen scheitern lassen. An den Prognosemärkten wird die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz noch 2026 verabschiedet wird, nur noch auf 8 Prozent taxiert.

Wie Ariva berichtet, löste das Scheitern eine Diskussion auf der Social-Media-Plattform X aus. Anthony Pompliano vertritt dort die Auffassung, dass Bitcoin den Clarity Act nicht benötige, weil die regulatorische Einordnung der größten Kryptowährung bereits ausreichend klar sei.

Peter Schiff widersprach dieser Einschätzung scharf. Der langjährige Bitcoin-Kritiker und Gold-Befürworter schrieb auf X: „Es ist sehr klar, dass Bitcoin wertlos ist. Dafür ist kein Gesetz des Kongresses notwendig.“

Schiff stellt laut Ariva seit Jahren infrage, dass Bitcoin als Alternative zu Gold dienen kann. Seiner Auffassung nach erfülle die Kryptowährung nicht die Eigenschaften eines verlässlichen sicheren Hafens, sondern verhalte sich vielmehr wie ein spekulativer Risiko-Asset.

Pompliano argumentiert dagegen, dass Bitcoin im Vergleich zu anderen Teilen der Kryptobranche bereits eine vergleichsweise klare regulatorische Stellung besitze. Das Gesetz sei seiner Ansicht nach insbesondere für andere digitale Assets und Krypto-Geschäftsmodelle wichtig gewesen.

„Es ist sehr klar, dass Bitcoin wertlos ist. Dafür ist kein Gesetz des Kongresses notwendig.“ – Peter Schiff, zitiert von Ariva

Zusammenfassung: Der Clarity Act scheiterte im US-Senat an 60 erforderlichen Stimmen. Während Peter Schiff Bitcoin weiterhin als wertlos und spekulativ bezeichnet, hält Anthony Pompliano das Gesetz für Bitcoin nicht notwendig.

JPMorgan sieht mögliches Aufholpotenzial gegenüber Gold

Analysten von JPMorgan prognostizieren laut FinanzNachrichten.de, dass Bitcoin gegenüber Gold an Attraktivität gewinnen könnte. Ein entscheidender Faktor sei die hohe Short- und Hedging-Aktivität institutioneller Investoren bei Bitcoin-ETFs.

Sollten diese Absicherungsgeschäfte zurückgefahren werden, könnte dies nach Einschätzung der Analysten einen zusätzlichen Wachstumsimpuls für Bitcoin auslösen. Zuvor verzeichneten sowohl Bitcoin- als auch Gold-ETFs nach der US-Notenbanksitzung Ende Juli neue Kapitalzuflüsse.

Damit rückt das Verhältnis zwischen Bitcoin und Gold erneut in den Mittelpunkt. Die Analyse stellt nicht eine konkrete Kurszahl für Bitcoin oder Gold in den Vordergrund, sondern die mögliche Veränderung institutioneller Positionierungen über ETF-Produkte.

Zusammenfassung: JPMorgan-Analysten sehen bei Bitcoin gegenüber Gold mögliches Aufholpotenzial. Als möglicher Treiber gilt ein Rückgang der Short- und Hedging-Aktivität institutioneller Bitcoin-ETF-Investoren.

Kryptomarkt am Sonntagmittag überwiegend schwächer

Finanzen.net meldete am Sonntagmittag nachgebende Kurse bei zahlreichen großen Kryptowährungen. Um 12:31 Uhr fiel Bitcoin um 1,10 Prozent auf 80.377,04 US-Dollar, nachdem der Kurs am Vortag noch bei 81.267,47 US-Dollar gelegen hatte.

Auch Ethereum gab nach. Der Ethereum-Kurs verringerte sich um 2,25 Prozent auf 2.574,96 US-Dollar, während am Vortag 2.634,11 US-Dollar erreicht worden waren.

KryptowährungKurs um 12:31 UhrVeränderungVortagswert
Bitcoin80.377,04 US-Dollar-1,10 Prozent81.267,47 US-Dollar
Litecoin56,94 US-Dollar-2,00 Prozent58,10 US-Dollar
Ethereum2.574,96 US-Dollar-2,25 Prozent2.634,11 US-Dollar
Bitcoin Cash245,65 US-Dollar-4,03 Prozent255,97 US-Dollar
Ripple1,377 US-Dollar-2,41 Prozent1,412 US-Dollar
Monero524,17 US-Dollar-4,05 Prozent546,27 US-Dollar
Cardano0,2190 US-Dollar-3,92 Prozent0,2280 US-Dollar
Stellar0,1892 US-Dollar-3,66 Prozent0,1964 US-Dollar
Tron0,3425 US-Dollarkeine Prozentangabe0,3398 US-Dollar
Binancecoin750,59 US-Dollar-1,50 Prozent762,00 US-Dollar
Dogecoin0,0846 US-Dollar-3,64 Prozent0,0878 US-Dollar
Solana108,08 US-Dollar-2,68 Prozent111,06 US-Dollar
Avalanche9,744 US-Dollar-3,46 Prozent10,09 US-Dollar
Chainlink11,98 US-Dollar-3,61 Prozent12,43 US-Dollar
Sui0,8141 US-Dollar-5,50 Prozent0,8615 US-Dollar

Bei den genannten Kursen verzeichnete Sui den stärksten prozentualen Rückgang. Der Kurs fiel um 5,50 Prozent von 0,8615 US-Dollar auf 0,8141 US-Dollar. Monero gab um 4,05 Prozent nach, Bitcoin Cash um 4,03 Prozent.

Tron entwickelte sich vergleichsweise stabil. Nach 0,3398 US-Dollar am Vortag wurde Tron um 12:31 Uhr bei 0,3425 US-Dollar gehandelt; eine prozentuale Veränderung nennt Finanzen.net an dieser Stelle nicht.

Der finanzen.net Top 10 Crypto-ETP gewann laut Quelle am selben Tag 5,5 Prozent. Seit dem Start im September 2024 betrug die Veränderung 17,9 Prozent.

Zusammenfassung: Bitcoin und die meisten beobachteten Kryptowährungen lagen am Sonntagmittag im Minus. Sui, Monero und Bitcoin Cash verzeichneten die stärksten genannten Rückgänge, während der finanzen.net Top 10 Crypto-ETP 5,5 Prozent zulegte.

Fed-Zinsentscheidung und Bitcoin-Erholung über 81.000 US-Dollar

Wallstreet Online berichtet, dass die US-Notenbank den Leitzins am 17. September 2026 um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben habe. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen und habe die erste Zinserhöhung seit Juli 2023 dargestellt.

Der Zinsschritt war laut Quelle weitgehend erwartet worden. CME FedWatch hatte eine Wahrscheinlichkeit von 93 Prozent für die Entscheidung angezeigt.

Bitcoin fiel zunächst kurz auf 75.350 US-Dollar, sprang innerhalb von Minuten über 76.100 US-Dollar und kletterte am Freitag auf 81.247 US-Dollar. Gleichzeitig verlor der Dollar-Index 0,17 Prozent, die Nasdaq-Futures legten 1,04 Prozent zu und die zweijährige US-Rendite fiel um zwei Basispunkte auf 4,71 Prozent.

Die stärkere Erschütterung des Kryptomarktes setzte laut Wallstreet Online am 16. September ein. Der CLARITY Act scheiterte beim Cloture-Votum mit 49 zu 50 Stimmen, während BTC- und ETH-ETFs zusammen 592 Millionen US-Dollar an einem Tag verloren.

Auf Ethereum-Fonds entfielen davon 141 Millionen US-Dollar. Wallstreet Online bezeichnet dies als den stärksten Tagesabfluss seit 155 Handelstagen. Zusätzlich trafen innerhalb von 24 Stunden Liquidierungen im Umfang von 373 Millionen US-Dollar den Markt.

Die Dot-Plot-Prognose signalisiere laut Quelle maximal eine weitere Zinserhöhung bis Jahresende und keinen Straffungszyklus. Der Gesamtmarkt erreichte wieder eine Bewertung von 2,795 Billionen US-Dollar.

Zusammenfassung: Nach einer Zinserhöhung der Federal Reserve auf 3,75 bis 4,00 Prozent erholte sich Bitcoin von 75.350 US-Dollar auf 81.247 US-Dollar. Parallel belasteten das Scheitern des CLARITY Act, ETF-Abflüsse und Liquidierungen den Kryptomarkt.

Bitcoin springt nach CFTC-Vorstoß auf rund 81.055 US-Dollar

In einem weiteren Bericht beschreibt Wallstreet Online eine Erholung von Bitcoin innerhalb von 24 Stunden um fast fünf Prozent auf rund 81.055 US-Dollar. Anfang der Woche war der Kurs demnach in Richtung 75.000 US-Dollar gefallen.

Als Auslöser nennt die Quelle zwei Nachrichten aus Washington. Die Terminaufsicht CFTC schickte ihre Krypto-Regeln ins Weiße Haus, nachdem der Senat den CLARITY Act mit 49 zu 50 Stimmen gestoppt hatte.

CryptoRank bezifferte die Nettozuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs innerhalb von zwei Tagen auf 591 Millionen US-Dollar. Davon entfielen 433 Millionen US-Dollar allein auf den 18. September.

Gleichzeitig wurden mehr als 603 Millionen US-Dollar an gehebelten Positionen aufgelöst. Nach Darstellung von Wallstreet Online beschleunigte dies die Kursbewegung.

Bitcoin-KennzahlWert
Kursrund 81.055 US-Dollar
Marktkapitalisierungetwa 1,63 Billionen US-Dollar
Veränderung über 30 Tagemehr als 17 Prozent
Nettozuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs innerhalb von zwei Tagen591 Millionen US-Dollar
ETF-Zuflüsse am 18. September433 Millionen US-Dollar
Aufgelöste gehebelte Positionenmehr als 603 Millionen US-Dollar

Für die weitere Kursentwicklung nennt Wallstreet Online 82.917 US-Dollar als Marke, deren Überschreiten den Weg in Richtung 99.000 US-Dollar öffnen könnte. Der nächste große Widerstand liege bei rund 115.751 US-Dollar; im stärksten Szenario entspreche dies einem Plus von rund 42 Prozent.

Die Quelle verweist zugleich auf die bereits hohe Bewertung von Bitcoin. Bei einer Marktkapitalisierung von 1,63 Billionen US-Dollar seien größere Vervielfachungen nach dieser Darstellung schwieriger zu erreichen.

Zusammenfassung: Bitcoin erholte sich auf rund 81.055 US-Dollar, unterstützt durch ETF-Zuflüsse und die Nachrichten zur CFTC. Wallstreet Online nennt 82.917 US-Dollar als mögliche nächste Marke und 99.000 US-Dollar als mögliches Kursziel der beschriebenen Bewegung.

Einschätzung der Redaktion

Die Entwicklung zeigt einen Markt, dessen kurzfristige Erholung weiterhin stark von ETF-Kapital, geldpolitischen Erwartungen und gehebelten Positionen abhängt. Das Scheitern des Clarity Act erhöht zugleich die regulatorische Unsicherheit und schwächt die These, Bitcoin entwickle sich bereits zu einem vollständig etablierten institutionellen Anlagewert.

Die Konkurrenz zu Gold bleibt deshalb offen: Bitcoin besitzt zwar erhebliches Aufholpotenzial, muss seine Rolle als langfristiger Wertspeicher aber erst über stabilere Marktphasen hinweg bestätigen. Die schnelle Erholung ist ein positives Signal für die Nachfrage, kein Beleg für dauerhaft geringeres Risiko.

Kernaussage: Bitcoin bleibt chancenreich, aber hochgradig abhängig von Liquidität, Regulierung und Risikobereitschaft. Die aktuelle Stärke sollte daher nicht mit struktureller Stabilität verwechselt werden.

Quellen:

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Kommentare (4)

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  1. Anonymous

    Ich finde die Diskussion um Gold und Bitcoin irgendwie immer etwas schief, weil beide komplett andere dinger sind. Gold liegt halt im Tresor rum und Bitcoin braucht strom, internet und man muss auch noch hoffen das man den zugang nicht verliert, was bei mir schon beim wlan passwort schwierig wird. Trotzdem ist die schnelle erholung schon bemerkenswert, besonders wenn gleichzeitig ETF’s geld abziehen und der Clarity Act gegen die Wand gefahren ist. Bei dem Gesetz bin ich aber nicht sicher ob das scheitern wirklich so ein grosser schock ist. Politiker schieben solche sachen doch oft nur weiter und irgendwann kommt dann irgendwas ähnliches durch, nur mit neuem namen und noch mehr kleingedrucktem. Das die Prognosemärkte nur 8 Prozent für 2026 sehen klingt sehr genau, aber solche zahlen können sich ja innerhalb von ein paar tagen total ändern. Vielleicht sind Prognosemärkte auch nur wetten mit schicken Tabellen. Peter Schiff sagt Bitcoin sei wertlos, das sagt er gefühlt schon seit Bitcoin nicht mehr 100 Dollar kostet. Wenn ein Kritiker jahrelang das gleiche wiederholt und der Preis trotzdem immer wieder steigt, heisst das zwar nicht automatisch das Bitcoin gut ist, aber ganz wertlos kann es dann wohl auch nicht sein, ausser alle sind kollektiv verrückt. Andererseits ist hoher Preis ja kein Beweis für echten Wert, siehe manche Kunst und diese komischen NFT bilder die mal für Millionen verkauft wurden. Was ich spannender finde sind die ETF Zuflüsse und die gehebelten Positionen. Da geht es offenbar nicht nur darum ob jemand Bitcoin toll findet, sondern ob irgendwelche grossen Firmen auf steigende oder fallende Kurse gewettet haben. Wenn dann hunderte Millionen liquidiert werden, wirkt das wie ein Schneeball der plötzlich den Berg runter rollt. Der Kurs springt dann hoch oder runter und alle tun hinterher so als hätten sie es vorher genau gewusst. Haben sie natürlich nicht, sonst wären sie jetzt alle auf einer Yacht. Die Zahlen im Artikel sind auch etwas verwirrend, weil Bitcoin erst bei rund 80.000 liegt, dann auf 75.350 fällt und kurz danach wieder über 81.000 springt. Für langfristige Anleger ist das vermutlich einfach normales rauschen, für jemanden mit Hebel aber wohl eher ein finanzieller Herzinfarkt. Bei Ethereum und den kleineren Coins sieht man ja, dass die Verluste teilweise viel stärker sind. Sui minus 5,5 Prozent klingt erstmal nicht dramatisch, aber wenn sowas ständig passiert und man am falschen Tag kauft, wird aus Kleingeld schnell noch kleineres geld. Die Fed sache finde ich ebenfalls schwer einzuschätzen. Eigentlich sollten höhere Zinsen riskante Anlagen belasten, aber Bitcoin steigt trotzdem. Vielleicht war die Erhöhung schon eingepreist oder die Anleger denken das es danach nicht noch schlimmer kommt. Börse ist manchmal wie ein Wetterbericht, es regnet und trotzdem heisst es sonnige Aussichten. Der schwächere Dollar hilft Bitcoin wahrscheinlich auch, aber ob das dauerhaft trägt, weiss vermutlich keiner so genau. Gold bleibt für mich trotzdem der ruhigere Hafen. Es kann auch fallen, klar, aber es macht keine täglichen Sprünge von mehreren Prozent und man bekommt nicht plötzlich eine Nachricht das die Blockchain wegen irgendeinem Update anders funktioniert. Bitcoin hat dafür den Vorteil das man es theoretisch weltweit übertragen kann und keine Bank fragen muss. Theoretisch jedenfalls, praktisch gibt es Gebühren, Börsen, Passwörter und diese ganzen Sicherheitsgeschichten. Ich würde wahrscheinlich beim speichern schon alles falsch machen. Unterm Strich zeigt der Artikel für mich vor allem, dass Bitcoin noch stark von Stimmung und Liquidität abhängt. ETF geld rein, Kurs hoch. Hebel werden liquidiert, Kurs macht wilde sachen. Ein Gesetz scheitert, alle diskutieren über den fundamentalen Wert. Das ist noch nicht wirklich der langweilige Wertspeicher, als der Bitcoin irgendwann vielleicht gelten möchte. Chancen sind da sicher, aber die Aussage der Redaktion mit chancenreich und gleichzeitig riskant trifft es eigentlich ganz gut. Wer hier sein ganzes geld reinsteckt, sollte sich nicht wundern wenn der Markt plötzlich eine andere meinung hat.

  2. CoinKeks

    Interessant finde ich vor allem den Widerspruch zwischen den ETF-Abflüssen und den späteren Zuflüssen, weil man daran sieht wie schnell institutionelle Anleger offenbar ihre Meinung wechseln und kleine Anleger da kaum hinterher kommen.

  3. ChartFuchs

    Die ETF-Ströme finde ich hier fast spannender als die Schlagzeilen aus Washington. Wenn Institutionelle gleichzeitig absichern und wieder zukaufen, kann der Kurs schnell stärker reagieren als die eigentlichen Nachrichten vermuten lassen. Das macht Bitcoin aber eher zu einem Spielball großer Positionen als zu einem ruhigen Wertspeicher.

  4. Anonymous

    Ich finde den Punkt mit den institutionellen Short und Hedging positionen noch am spannendsten, weil man daran merkt wie wenig der kurs manchmal mit einer echten meinung zu Bitcoin zu tun hat. Viele kaufen ja nicht unbedingt weil sie langfristig überzeugt sind, sondern weil sie irgendein Risiko ausgleichen oder gegen eine andere position wetten. Wenn diese absicherungen dann aufgelöst werden, sieht es von aussen plötzlich nach riesiger Nachfrage aus, obwohl im hintergrund vielleicht nur ein paar grosse Bücher umsortiert werden. Das kann den kurs natürlich anschieben, sagt aber nicht automatisch das jetzt alle Bitcoin als digitales Gold entdeckt haben. Auch der unterschied zwischen ETF zuflüssen und ETF abflüssen wird mir in solchen Artikeln oft zu dramatisch dargestellt. Ein einzelner Tag mit 592 Millionen Dollar raus ist sicher viel geld, aber bei einem Markt mit über einer billion bewertung ist das vieleicht nicht gleich der weltuntergang. Am nächsten Tag kommen dann wieder 433 Millionen rein und schon dreht sich die erzählung komplett. Börsenmedien lieben solche tageszahlen, weil sie schön konkret aussehen, obwohl man daraus alleine kaum erkennt ob sich langfristig etwas verändert. Man müsste eigentlich wissen wer da kauft, wie lange die halten wollen und ob das echte neue anleger sind oder nur fonds die ihre gewichtung verschieben. Bei der CFTC Nachricht bin ich auch etwas skeptisch. Das Regeln ins Weisse Haus geschickt werden klingt erstmal wichtig, aber zwischen einem Vorschlag und einer tatsächlich gültigen regel liegen vermutlich noch ungefähr hundert formularfehler, ausschüsse und politische überraschungen. Vielleicht war die Nachricht deshalb eher ein psychologischer auslöser als ein fundamentaler Durchbruch. Der Markt hört Washington sagt Krypto und denkt sofort da kommt jetzt klarheit, obwohl vermutlich noch keiner genau weiss wann und wie diese klarheit aussehen soll. Politik ist da manchmal wie ein Navigationsgerät das sagt bitte wenden, obwohl die brücke schon seit drei Jahren gesperrt ist. Die Kursmarken von 82.917, 99.000 und 115.751 Dollar finde ich ebenfalls ein bisschen künstlich genau. Warum gerade 82.917 und nicht 82.900 oder 83.000? Solche Zahlen wirken wissenschaftlich, sind aber meistens chartlinien die irgendwo aus vergangenen hochs und tiefs zusammengebastelt wurden. Wenn der Kurs die Marke überschreitet, wird danach gesagt der Weg sei frei, und wenn er wieder fällt, war es eben ein falscher Ausbruch. Im nachhinein passt die analyse fast immer irgendwie, was schon beeindruckend ist aber leider nicht besonders hilfreich fürs vorher wissen. Die mehr als 603 Millionen aufgelösten gehebelten Positionen erklären wahrscheinlich sehr viel von diesem schnellen hoch und runter. Hebel ist ja im prinzip geliehenes Selbstvertrauen. Solange die richtung stimmt fühlt man sich wie ein genie, aber bei einer kleinen Gegenbewegung entscheidet irgendein computer das man jetzt raus ist. Dann werden coins verkauft, dadurch fällt der Preis weiter, und die nächste position wird liquidiert. Das ist dann kein normaler verkauf mehr sondern eher eine treppe ohne geländer. Ich verstehe nicht warum manche leute sich freiwillig auf so etwas einlassen, ausser sie halten risiko für eine art hobby. Interessant wäre auch ein direkter vergleich mit Gold ETF's über denselben zeitraum und nicht nur die aussage das Bitcoin aufholen könnte. Gold wird seit tausenden jahren als wertaufbewahrung benutzt, Bitcoin existiert dagegen noch nicht mal so lange wie manche meiner alten passwörter. Das heisst nicht das Gold automatisch gewinnt, aber der vergleich ist eben nicht ganz fair. Gold hat keine serverausfälle und man kann den zugang nicht durch eine vergessene seed phrase verlieren. Dafür ist es schwerer zu transportieren und im grossen stil auch nicht gerade praktisch. Beides hat also vor und nachteile, nur reden die fans beider seiten gerne so als gäbe es jeweils überhaupt keine probleme. Was mir im Artikel ein wenig fehlt, ist die frage warum der Dollar-Index schwächer wurde und warum die zweijährige rendite nachgibt. Wenn Anleger weniger Angst vor weiter steigenden Zinsen haben, profitieren ja nicht nur Bitcoin sondern auch Aktien und andere riskante sachen. Dann wäre Bitcoin vielleicht gar nicht der hauptdarsteller sondern reitet einfach auf einer allgemeinen Liquiditätswelle mit. Die 1,04 Prozent bei den Nasdaq-Futures deuten ja zumindest darauf hin das die stimmung breiter besser war. Vielleicht wird Bitcoin deshalb zu oft als einzelnes geheimnis behandelt, obwohl er auf die gleichen makro sachen reagiert wie andere spekulative Anlagen. Und noch eine kleine verwirrung: Der Artikel nennt einmal ETF-Abflüsse von 592 Millionen und später Zuflüsse von 591 Millionen in zwei Tagen. Das kann natürlich alles stimmen, weil es verschiedene zeiträume sind, aber beim schnellen lesen klingt es erstmal wie ein widerspruch. Ein Tag minus, danach zwei Tage plus, und schon hat man mehrere Schlagzeilen die sich gegenseitig zu widersprechen scheinen. Da wäre eine kleine übersicht mit datum und zeitraum hilfreicher gewesen, statt nur möglichst viele grosse Zahlen hintereinander zu setzen. Sonst denkt man am ende ETF's wären gleichzeitig leer und randvoll. Unterm strich sehe ich die Erholung daher eher als beweis dafür, dass Bitcoin sehr liquide und aufmerksamkeitsstark ist, nicht unbedingt als beweis für stabile Wertaufbewahrung. Bei einem wirklich langweiligen Wertspeicher sollte eine Zinserhöhung nicht innerhalb von minuten einen mini crash und danach eine erholung auslösen. Andererseits kann ein asset auch schwankend sein und sich trotzdem irgendwann etablieren. Die entscheidende frage ist wohl nicht ob Bitcoin heute über 81.000 steht, sondern ob die Nachfrage auch bleibt wenn keine CFTC schlagzeile, kein ETF rekord und kein künstlicher kurswiderstand gerade für aufregung sorgt. Bis dahin bleibt es ein ziemlich teures nervenspiel, bei dem die grossen wahrscheinlich besser informiert sind als die leute in den kommentaren.

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