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Bitcoin zwischen Inflationsdaten, Zinssorgen und Erholung

Inhalt 14 Abschnitte

Bitcoin bleibt zwischen sinkender US-Inflation, Zinssorgen und geopolitischen Risiken gefangen: Auf Erholungen folgen neue Rückschläge, während institutionelle Anleger und automatische Handelsmechanismen die Ausschläge verstärken. Der Pressespiegel zeigt, welche Faktoren den Kryptomarkt bewegen – und warum ein Bitcoin-Crash nicht zwangsläufig das Ende der Blockchain-Ökonomie bedeuten muss.

Bitcoin zwischen Inflationsdaten, Zinssorgen und Erholung

Die US-Inflation ist im Juni stärker zurückgegangen als erwartet. Nach Angaben der WirtschaftsWoche stiegen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,5 Prozent. Volkswirte hatten im Schnitt mit 3,8 Prozent gerechnet, nachdem im Mai noch eine Teuerungsrate von 4,2 Prozent gemessen worden war.

Trotz der Entspannung sieht die US-Notenbank Federal Reserve keinen Anlass für eine vollständige Entwarnung. Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigte, dass die Fed keine dauerhaft erhöhte Inflation dulde und die Teuerung mit der „richtigen Geldpolitik“ bekämpfen wolle. Auf ihrer ersten Sitzung unter Warshs Leitung hatte die Fed den Leitzins im Juni in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent unverändert gelassen, zugleich aber eine mögliche Straffung im weiteren Jahresverlauf signalisiert.

Die neuen Inflationsdaten lassen eine Anhebung auf der nächsten Sitzung am 29. Juli weniger wahrscheinlich erscheinen. Analyst Elmar Völker von der LBBW bezeichnete die Teuerung mit 3,5 Prozent jedoch weiterhin als „unangenehm hoch“. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, verwies darauf, dass eine wieder steigende Inflationsrate im Juli die Fed im September zu einer Zinserhöhung zwingen könnte.

Als zusätzlich wichtiges Inflationsmaß gilt der PCE-Index. Dieser sprang im Mai infolge des durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschubs auf 4,1 Prozent nach 3,8 Prozent im April. Laut WirtschaftsWoche bleibt die Geldpolitik der US-Notenbank damit trotz nachlassender Dynamik der Inflation eine heikle Gratwanderung.

„Die Fed duldet keine dauerhaft erhöhte Inflation“, heißt es im vorab veröffentlichten Redemanuskript von Fed-Chef Kevin Warsh.

Der Bitcoin notierte laut dem Analysehaus TradingView bei rund 63.800 Dollar. Die WirtschaftsWoche nennt dabei den Stand 16:16 Uhr.

Infobox – WirtschaftsWoche: Die US-Inflation sank im Juni auf 3,5 Prozent. Der Leitzins liegt in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent, während Zinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf weiterhin nicht ausgeschlossen sind.

Bitcoin erholt sich nach schwächeren US-Arbeitsmarktdaten

Bereits am 3. Juli berichtete die WirtschaftsWoche über eine Erholung des Bitcoin-Kurses. Zuvor war Bitcoin am Mittwoch bis auf 57.735 Dollar gefallen, den niedrigsten Stand seit September 2024. Anfang Juni hatte die Kryptowährung zeitweise deutlich über 70.000 Dollar notiert.

Marktbeobachter führten die Gegenbewegung vor allem auf schwächere US-Arbeitsmarktdaten zurück. Der Beschäftigungsaufbau in den USA hatte sich stärker als erwartet verlangsamt, was die Sorgen vor weiteren Zinserhöhungen dämpfte und die Hoffnung auf eine weniger restriktive Geldpolitik stärkte.

Analyst Timo Emden von Emden Research warnte jedoch davor, die Daten zu weitreichend zu interpretieren. Schwächere Jobdaten könnten zwar zinssensiblen Anlagen wie Kryptowährungen helfen, da Bitcoin selbst keine Zinsen abwirft. Eine Zinspause sei am Markt aber nicht automatisch dauerhaft zu erwarten.

„Anleger sollten die jüngsten Jobdaten in Bezug auf mögliche Zinspausen in den USA nicht überbewerten“, schrieb Timo Emden von Emden Research.

Infobox – WirtschaftsWoche: Bitcoin fiel zuvor auf 57.735 Dollar und erholte sich anschließend. Ausschlaggebend waren Erwartungen an eine weniger restriktive US-Geldpolitik, wobei weitere Zinsschritte nicht ausgeschlossen wurden.

Technologiewerte belasten Bitcoin

Am 23. Juni geriet Bitcoin laut WirtschaftsWoche wegen teils heftiger Kursverluste bei Technologiewerten unter Druck. Auf der Handelsplattform Bitstamp fiel der Preis zeitweise auf 61.860 US-Dollar, den niedrigsten Stand seit dem 11. Juni.

Im Mittagshandel konnte sich der Kurs etwas erholen, lag aber weiterhin fast drei Prozent unter dem Vortag. Als Auslöser galten Verluste an den US-Börsen, die sich an den Börsen in Asien fortsetzten. Besonders betroffen waren Titel aus dem Bereich Künstliche Intelligenz.

Analyst Timo Emden erklärte, Bitcoin werde erneut von der Schwäche der Technologiewerte in Mitleidenschaft gezogen. Die Entwicklung zeigt nach Darstellung der WirtschaftsWoche, wie eng die Kryptowährung inzwischen mit der allgemeinen Risikobereitschaft an den Finanzmärkten verbunden ist.

Infobox – WirtschaftsWoche: Bitcoin fiel auf 61.860 US-Dollar und lag damit fast drei Prozent unter dem Vortag. Schwache Technologiewerte belasteten risikoreichere Anlagen insgesamt.

Fed-Entscheidung und Iran-Abkommen sorgen für Kursschwankungen

Am 18. Juni stabilisierte sich der Bitcoin-Kurs nach deutlichen Schwankungen. Auf Bitstamp fiel die Kryptowährung zunächst bis auf 63.625 US-Dollar, bevor sie im weiteren Verlauf auf etwa 64.500 Dollar stieg. Damit lag der Kurs wieder auf dem Niveau des Vorabends.

Zu Wochenbeginn war Bitcoin noch über 66.200 Dollar gehandelt worden. Ein angekündigtes Rahmenabkommen für ein Ende des Iran-Krieges hatte zunächst für Rückenwind gesorgt. Nach der Zinsentscheidung der Federal Reserve rückten jedoch erneut Zinssorgen in den Mittelpunkt.

Unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh hatte die Fed die von US-Präsident Donald Trump geforderten Zinssenkungen nicht vollzogen. Stattdessen sendete sie Signale für tendenziell höhere Zinsen. Experten der Commerzbank berichteten, dass die Märkte ihre Erwartungen für eine straffere Geldpolitik auf Oktober dieses Jahres vorgezogen hätten.

Nach Einschätzung von Timo Emden war der positive Impuls durch die Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran weitgehend verflogen. Anleger mussten demnach weiterhin die inflationsseitigen Risiken des Iran-Konflikts und eine mögliche geldpolitische Reaktion der Fed berücksichtigen.

Infobox – WirtschaftsWoche: Bitcoin bewegte sich zwischen 63.625 US-Dollar und etwa 64.500 Dollar. Die anfängliche Unterstützung durch das Iran-Abkommen wurde durch neue Zinssorgen abgeschwächt.

Bitcoin steigt nach Iran-Rahmenabkommen über 66.000 Dollar

Am 15. Juni berichtete die WirtschaftsWoche über einen deutlichen Anstieg des Bitcoin-Kurses nach der Einigung auf ein Iran-Rahmenabkommen. Im frühen Handel stieg Bitcoin auf fast 66.000 Dollar und lag damit rund 2000 Dollar beziehungsweise etwa drei Prozent höher als vor der Ankündigung.

Die USA und der Iran hatten sich nach wochenlangen Gesprächen auf ein Rahmenabkommen zur Beilegung des Krieges geeinigt. Bestätigt wurde die Vereinbarung von der US-Regierung, Teheran und dem Vermittler Pakistan. Das Abkommen sollte die Grundlage für weitere Gespräche bilden, in denen unter anderem das iranische Atomprogramm behandelt werden sollte.

Anfang Juni war Bitcoin zeitweise unter die Marke von 60.000 Dollar gefallen, den niedrigsten Stand seit Oktober 2024. Trotz der Erholung seit dem 5. Juni lag der Kurs weiterhin rund ein Viertel unter dem Niveau vom Jahresende 2025.

Im vergangenen Jahr hatte Bitcoin etwa sechs Prozent verloren. Nach Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg war dies erst das vierte Verlustjahr in der Geschichte des seit 2009 existierenden Bitcoin. Seit dem Rekordhoch von mehr als 126.000 Dollar im Oktober des vergangenen Jahres hatte sich der Kurs nahezu halbiert.

Im Fünfjahresvergleich legte Bitcoin laut WirtschaftsWoche um rund zwei Drittel zu. Seit Juni 2016 erhöhte sich der Wert um mehr als 9000 Prozent. Der Gesamtwert aller Bitcoin lag bei etwas mehr als 1,3 Billionen Dollar, während die Marktkapitalisierung sämtlicher Digitalwährungen auf CoinMarketCap mit rund 2,2 Billionen Dollar angegeben wurde.

Bitcoin seit Juni 2016mehr als 9000 Prozent
Bitcoin im vergangenen Jahretwa sechs Prozent verloren
Gesamtwert aller Bitcoinetwas mehr als 1,3 Billionen Dollar
Marktkapitalisierung sämtlicher Digitalwährungenrund 2,2 Billionen Dollar

Infobox – WirtschaftsWoche: Das Iran-Rahmenabkommen trieb Bitcoin auf fast 66.000 Dollar. Gleichzeitig lag der Kurs rund ein Viertel unter dem Niveau vom Jahresende 2025 und hatte sich seit dem Rekordhoch von mehr als 126.000 Dollar nahezu halbiert.

Bitcoin stabilisiert sich über 60.000 Dollar

Am 9. Juni meldete die WirtschaftsWoche eine vorläufige Stabilisierung des Bitcoin-Kurses. Auf Bitstamp notierte die Digitalwährung am Dienstagmorgen bei rund 63.300 US-Dollar. Am Freitag war der Kurs zeitweise bis auf 59.100 Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit Oktober 2024.

Analyst Timo Emden bezeichnete die Stimmung als fragil. Belastungsfaktoren waren eine Mischung aus makroökonomischer Unsicherheit, institutionellen Mittelabflüssen und anhaltenden Gewinnmitnahmen. Zudem schienen viele Anleger ihre Portfolios von Kryptowerten hin zu anderen Wachstums- und Zukunftsthemen umzuschichten.

Innerhalb einer Woche war Bitcoin von etwa 74.000 Dollar auf deutlich niedrigere Niveaus gefallen. Einen Teil des Kursrutsches führten Experten auf Verkäufe des Krypto-Investors Strategy zurück. Strategy gilt als größter institutioneller Bitcoin-Halter und wichtiger Trendsetter im Markt.

Die veräußerten Volumina seien zwar relativ gering gewesen, hätten aber ausgereicht, um Anleger zu verunsichern. Dadurch entstanden Spekulationen über mögliche Verkäufe weiterer großer Marktteilnehmer, während die Bereitschaft zu Gewinnmitnahmen bereits erhöht war.

Zusätzlichen Druck erzeugten gestiegene Inflationserwartungen. Der Iran-Krieg hatte die Ölpreise nach oben getrieben, weshalb an den Finanzmärkten mit einer Reaktion der Geldpolitik gerechnet wurde. Höhere Leitzinsen gelten für Bitcoin als belastend, weil die Kryptowährung selbst keine Zinsen abwirft.

Infobox – WirtschaftsWoche: Bitcoin notierte bei rund 63.300 US-Dollar, nachdem der Kurs zuvor bis auf 59.100 Dollar gefallen war. Institutionelle Mittelabflüsse, Gewinnmitnahmen, Inflationserwartungen und mögliche Zinserhöhungen belasteten den Markt.

Breite Erholung am Kryptomarkt am Dienstagnachmittag

Finanzen.net berichtete am Dienstagnachmittag über steigende Kurse bei zahlreichen Kryptowährungen. Bitcoin gewann um 17:11 3,19 Prozent auf 64.216,30 US-Dollar hinzu. Am Vortag hatte der Kurs bei 62.234,04 US-Dollar gelegen.

Auch der finanzen.net Top 10 Crypto-ETP1 legte um 2,3 Prozent auf 8,35 EUR zu. Das Produkt bietet laut Finanzen.net die Möglichkeit, mit einem Produkt an der Entwicklung der zehn wichtigsten Kryptowährungen teilzuhaben.

Bitcoin64.216,30 US-Dollar3,19 Prozent
finanzen.net Top 10 Crypto-ETP18,35 EUR2,3 Prozent
Litecoin44,54 US-Dollar2,48 Prozent
Ethereum1.875,86 US-Dollar5,76 Prozent
Bitcoin Cash239,25 US-Dollar1,35 Prozent
Ripple1,102 US-Dollar3,43 Prozent
Monero329,18 US-Dollar2,47 Prozent
Cardano0,1644 US-DollarVortageswert 0,1571 US-Dollar
Stellar0,1840 US-DollarVortageswert 0,1840 US-Dollar
Tron0,3255 US-Dollar0,47 Prozent
Binancecoin581,05 US-Dollar2,58 Prozent
Dogecoin0,0744 US-DollarVortageswert 0,0718 US-Dollar
Solana77,31 US-Dollar3,33 Prozent
Avalanche6,625 US-Dollar2,85 Prozent
Chainlink8,321 US-Dollar5,79 Prozent
Sui0,7633 US-Dollar5,99 Prozent

Ethereum stieg laut Finanzen.net um 5,76 Prozent auf 1.875,86 US-Dollar, nachdem der Kurs am Vortag bei 1.773,63 US-Dollar gelegen hatte. Chainlink legte um 5,79 Prozent auf 8,321 US-Dollar zu, während Sui nach 0,7202 US-Dollar am Vortag um 5,99 Prozent auf 0,7633 US-Dollar stieg.

Bei Ripple wurde um 17:11 ein Plus von 3,43 Prozent auf 1,102 US-Dollar ausgewiesen. Monero erhöhte sich um 2,47 Prozent auf 329,18 US-Dollar, Binancecoin um 2,58 Prozent auf 581,05 US-Dollar und Solana um 3,33 Prozent auf 77,31 US-Dollar.

Weniger stark bewegten sich Cardano, Stellar und Dogecoin. Cardano wurde mit 0,1644 US-Dollar ausgewiesen, nachdem der Vortageswert bei 0,1571 US-Dollar gelegen hatte. Stellar notierte bei 0,1840 US-Dollar und damit auf dem Kurs des Vortages; Dogecoin lag bei 0,0744 US-Dollar nach 0,0718 US-Dollar am Vortag.

Infobox – Finanzen.net: Bitcoin stieg um 17:11 um 3,19 Prozent auf 64.216,30 US-Dollar. Besonders deutlich legten Sui mit 5,99 Prozent, Chainlink mit 5,79 Prozent und Ethereum mit 5,76 Prozent zu.

Bitcoin-Erholung nach US-Inflationsdaten

Blocktrainer berichtete über eine Erholung des Bitcoin-Kurses nach US-Inflationsdaten, die deutlich unter den Erwartungen lagen. Der Bericht ordnet die Entwicklung damit ebenfalls in den Zusammenhang zwischen Konjunkturdaten, Geldpolitik und der Kursentwicklung der Kryptowährung ein.

Die Meldung steht im zeitlichen Zusammenhang mit der am 14. Juli veröffentlichten US-Inflationsrate von 3,5 Prozent. Erwartet worden war eine Teuerungsrate von 3,8 Prozent, während im Mai noch 4,2 Prozent gemessen worden waren.

Die Reaktion des Bitcoin-Marktes zeigt nach den Berichten von Blocktrainer und WirtschaftsWoche, dass Anleger insbesondere auf die mögliche geldpolitische Konsequenz der Inflationsdaten achten. Eine nachlassende Teuerung kann die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen dämpfen, während die Federal Reserve weiterhin auf die anhaltend erhöhte Inflation verweist.

Infobox – Blocktrainer: Niedrigere US-Inflationsdaten unterstützten eine Erholung von Bitcoin. Gleichzeitig blieb die weitere Entwicklung von den geldpolitischen Signalen der Federal Reserve abhängig.

Was bei einem Bitcoin-Crash passieren kann

Die Berliner Morgenpost beschreibt, wie sich ein Bitcoin-Crash durch automatische Handelsmechanismen selbst verstärken kann. Sobald wichtige Kursmarken fallen, greifen Stop-Loss-Orders, Handelsplattformen schließen gehebelte Positionen automatisch und zusätzliche Verkaufsaufträge drücken den Kurs weiter nach unten.

Aus ersten Verlusten kann dadurch innerhalb weniger Stunden eine Kettenreaktion werden. Die Berliner Morgenpost verweist auf frühere Crashs: Nach dem Boom Ende 2017 verlor Bitcoin zeitweise mehr als 80 Prozent seines Wertes. Im Jahr 2022 folgte ein dramatischer Absturz nach dem Kollaps von Terra-Luna, einem damals rund 60 Milliarden Dollar schweren Krypto-Projekt, sowie nach der Insolvenz der Kryptobörse FTX.

Bitcoin bleibt nach Darstellung der Berliner Morgenpost der zentrale Taktgeber des Kryptomarktes. Steigt Bitcoin, profitieren häufig auch andere Kryptowährungen und Blockchain-Projekte. Fällt der Kurs deutlich, sinkt meist die Risikobereitschaft im gesamten Markt.

Als wichtige Kurstreiber nennt Marktanalyst Timo Emden makroökonomische Faktoren wie Inflationsentwicklung, Zinserwartungen und geopolitische Risiken. Starke Kursbewegungen würden heute häufig nicht mehr durch Ereignisse innerhalb der Kryptobranche ausgelöst, sondern durch Faktoren, die auch Aktien- und Anleihemärkte bewegen.

„Treiber des Bitcoin-Kurses können heute vor allem makroökonomische Faktoren wie Inflationsentwicklung, Zinserwartungen und geopolitische Risiken sein“, sagt Marktanalyst Timo Emden.

Die Marktstruktur habe sich laut Emden grundlegend verändert. Während Bitcoin lange Zeit vor allem von Privatanlegern geprägt gewesen sei, spielten heute große Vermögensverwalter, Fonds und andere institutionelle Investoren eine zentrale Rolle. Mit der Einführung von Bitcoin-Spot-ETFs sei Bitcoin für institutionelle Investoren deutlich einfacher zugänglich geworden.

Dadurch reagierten die Kurse stärker auf Kapitalzuflüsse und -abflüsse professioneller Marktteilnehmer. Bitcoin verhalte sich zunehmend wie eine andere Risikoanlage: Steigende Zinsen, Rezessionsängste oder geopolitische Krisen könnten Investoren dazu bewegen, Kapital abzuziehen.

Infobox – Berliner Morgenpost: Frühere Crashs führten zu Verlusten von zeitweise mehr als 80 Prozent. Automatische Verkaufsaufträge, gehebelte Positionen und institutionelle Kapitalbewegungen können Kursverluste verstärken.

Liquidationen und Folgen für die Kryptobranche

Bei einem starken Kursrückgang können gehebelte Positionen eine zusätzliche Verkaufswelle auslösen. Anleger handeln dabei mit geliehenem Kapital. Fällt der Markt zu stark, schließen Handelsplattformen diese Positionen automatisch, um Verluste zu begrenzen.

Die Berliner Morgenpost bezeichnet diesen Ablauf als Liquidationsspirale. Ein erster Rückgang kann weitere automatische Schließungen auslösen und den Absturz dadurch beschleunigen. Besonders in Phasen hoher Unsicherheit können sich Kursverluste nach Einschätzung von Timo Emden innerhalb kurzer Zeit erheblich verstärken.

Die Folgen würden nicht alle Marktteilnehmer gleichermaßen treffen. Simon Seiter, Managing Director des Stablecoin-Unternehmens AllUnity, erklärte, dass ein Crash für Händler von Kryptowerten kurzfristig nicht negativ sei, weil die Volatilität zu Transaktionserträgen führe. Mittel- bis langfristig litten jedoch nahezu alle Unternehmen im Blockchain-Bereich unter einem solchen Bärenmarkt.

Für Blockchain-Start-ups werde es schwieriger, frisches Kapital einzuwerben. Venture-Capital-Finanzierungen gingen zurück und Projekte müssten ihre Wachstumspläne überdenken. Auch Bitcoin-Miner könnten unter dauerhaft niedrigen Kursen leiden, weil ihre Einnahmen sinken, während Energiekosten und Infrastrukturinvestitionen bestehen bleiben.

Weniger profitable Betreiber könnten gezwungen sein, Geräte abzuschalten oder Bestände zu verkaufen. Zusätzlich könne ein starker Bitcoin-Absturz das Vertrauen in die gesamte Branche schwächen, unabhängig davon, ob einzelne Unternehmen oder Technologien tatsächlich betroffen seien.

„Mittel- bis langfristig leiden jedoch nahezu alle Unternehmen im Blockchain-Bereich unter einem solchen Bärenmarkt“, sagt Simon Seiter, Managing Director von AllUnity.

Infobox – Berliner Morgenpost: Gehebelte Positionen können bei starken Verlusten automatisch liquidiert werden. Start-ups, Venture-Capital-Finanzierungen und Bitcoin-Miner zählen zu den Bereichen, die unter einem längeren Bärenmarkt besonders unter Druck geraten können.

Mögliche Auswirkungen auf das Finanzsystem

Die zunehmende Verflechtung von Kryptomärkten und traditionellem Finanzsystem könnte die Folgen eines schweren Bitcoin-Einbruchs über die Blockchain-Branche hinaus ausweiten. Aufsichtsbehörden beobachten deshalb mögliche Risiken für Banken, Fonds und andere Finanzmarktteilnehmer.

Die Europäische Zentralbank, die Bank of England und das Financial Stability Board analysieren laut Berliner Morgenpost regelmäßig Szenarien mit Kursrückgängen von 50 bis 80 Prozent bei Kryptowährungen. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Funktionsfähigkeit des Bitcoin-Netzwerks selbst.

Untersucht werden vielmehr mögliche Ansteckungseffekte auf Fonds, Handelsplattformen, Stablecoin-Anbieter und andere Marktteilnehmer. Damit richtet sich der Blick auf die Verbindungen zwischen Kryptoanlagen und den übrigen Finanzmärkten.

Infobox – Berliner Morgenpost: EZB, Bank of England und Financial Stability Board analysieren Szenarien mit Kursrückgängen von 50 bis 80 Prozent. Im Fokus stehen mögliche Ansteckungseffekte auf Fonds, Plattformen und Stablecoin-Anbieter.

Bitcoin-Crash nicht automatisch Blockchain-Crash

Ein Bitcoin-Crash würde nach Einschätzung der Berliner Morgenpost nicht automatisch einen Zusammenbruch der gesamten Blockchain-Ökonomie bedeuten. Zwar bestehe in der öffentlichen Wahrnehmung ein enger Zusammenhang zwischen dem Bitcoin-Preis und blockchainbasierten Geschäftsmodellen, doch entwickelten sich zunehmend Anwendungen, deren Nutzen nicht unmittelbar vom Bitcoin-Kurs abhängt.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung laut Simon Seiter bei Stablecoins. Dabei handelt es sich um an klassische Währungen wie den US-Dollar oder Euro gekoppelte digitale Zahlungsmittel, die zunehmend für realwirtschaftliche Anwendungen genutzt werden.

Seiter sieht bei Stablecoins erstmals eine Entwicklung, die sich teilweise vom Bitcoin-Kurs entkoppelt. Während frühe Blockchain-Anwendungen häufig eng mit Spekulation verbunden gewesen seien, entstünden zunehmend praktische Einsatzgebiete im Zahlungsverkehr und in digitalen Finanzdienstleistungen.

„Mit Stablecoins sehen wir erstmals eine Entwicklung, die sich teilweise vom Bitcoin-Kurs entkoppelt“, sagt Simon Seiter.

Ein Bitcoin-Crash würde zwar die Stimmung im Markt belasten. Der grundlegende Nutzen von Blockchain-Anwendungen im Zahlungsverkehr und bei digitalen Finanzdienstleistungen bliebe laut der Berliner Morgenpost jedoch bestehen.

Infobox – Berliner Morgenpost: Stablecoins und andere Blockchain-Anwendungen können sich teilweise unabhängig vom Bitcoin-Kurs entwickeln. Ein Bitcoin-Crash wäre daher nicht automatisch ein Zusammenbruch der gesamten Blockchain-Ökonomie.

Institutionalisierung und Regulierung erhöhen die Robustheit

Als wichtigen Unterschied zu früheren Marktzyklen nennt die Berliner Morgenpost die zunehmende Institutionalisierung und Regulierung. Institutionelle Marktteilnehmer spielen heute eine zentrale Rolle, wodurch die Akzeptanz von Bitcoin als Anlageklasse gestiegen sei.

Die Branche befinde sich im Wandel von einem überwiegend unregulierten und von Privatanlegern dominierten Markt hin zu einer stärker professionalisierten und industrialisierten Finanzindustrie. Viele Anbieter arbeiteten inzwischen unter staatlicher Aufsicht und müssten umfangreiche Vorgaben erfüllen.

Nach Einschätzung von Simon Seiter haben Regulierung und der Eintritt größerer Marktteilnehmer insbesondere die Ausfallrisiken der Anbieter reduziert. Anders als in früheren Marktzyklen stünden heute mehr regulierte Marktteilnehmer und professionelle Infrastrukturen zur Verfügung.

Diese Entwicklung reduziere zwar nicht die Kursschwankungen, erhöhe aber die Stabilität des Ökosystems insgesamt. Die entscheidende Bewährungsprobe eines künftigen Bitcoin-Crashs liege deshalb nicht allein in der Höhe des Kursverlustes.

„Die eigentliche Frage ist, ob er den Übergang von einem spekulationsgetriebenen Markt zu einer stärker nutzenorientierten Blockchain-Ökonomie beschleunigt“, sagt Simon Seiter.

Infobox – Berliner Morgenpost: Regulierung und institutionelle Marktteilnehmer haben die Anbieterstruktur professionalisiert und Ausfallrisiken reduziert. Die Kursschwankungen selbst werden dadurch jedoch nicht beseitigt.

Einschätzung der Redaktion

Bitcoin bleibt vorerst stark von der globalen Risikostimmung abhängig und ist damit kein verlässlicher Inflationsschutz. Die hohe Sensibilität gegenüber Zinserwartungen, Technologiewerten und geopolitischen Entwicklungen erhöht das kurzfristige Rückschlagrisiko erheblich.

Gleichzeitig spricht die wachsende institutionelle Beteiligung für eine dauerhaft höhere Marktbreite und Liquidität. Sie macht Bitcoin jedoch nicht stabiler, sondern kann Kursbewegungen durch größere Kapitalflüsse sogar verstärken. Entscheidend wird daher sein, ob sich die Nutzung der Blockchain unabhängig von spekulativen Bitcoin-Zyklen weiterentwickelt.

Zusammenfassung: Bitcoin gewinnt an institutioneller Bedeutung, bleibt aber eine besonders konjunktur- und zinssensible Risikoanlage. Ein nachhaltigerer Marktaufbau hängt vor allem von realen Anwendungen jenseits der reinen Kursentwicklung ab.

Quellen:

  • Kryptowährung im Sinkflug: Was passiert eigentlich, wenn Bitcoin crasht?
  • Bitcoin-Kurs aktuell: US-Inflation sinkt stärker als erwartet
  • So entwickeln sich Bitcoin, Ripple & Co am Dienstagnachmittag am Kryptomarkt
  • US-Inflationsdaten deutlich unter den Erwartungen – Bitcoin erholt sich wieder
  • 297 Millionen Dollar bewegt: Verkaufen die USA jetzt Bitcoin?
  • Strategy kauft keine Bitcoin – Reserve wächst auf drei Milliarden Dollar

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Mehr dazu

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Kommentare (15)

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  1. Anonymous

    Also die ganzen Zahlen wirken erstmal beruhigend, aber 3,5 Prozent Inflation ist für mich jetzt nicht gerade „alles bestens“ sondern eher Preise steigen halt nur ein bischen langsamer. Und das Bitcoin dann bei jedem Fed-Satz, Jobbericht oder Tech-Aktien rumspringt wie ein nervöser Gummiball zeigt schon, das es im Moment mehr Risikoanlage als Inflationsschutz ist. Dieses „digitales Gold“ hört man ja oft, Gold würde bei Zinssorgen aber vermutlich nicht gleich wegen jeder schwachen Nvidia Aktie mit runtergezogen werden, naja vielleicht manchmal schon. Interessant finde ich den Teil mit den automatischen Liquidierungen. Viele kaufen vermutlich Bitcoin auf Kredit oder mit 10x Hebel und wundern sich dann wenn aus ein paar Prozent Minus plötzlich alles weg ist. Das ist dann nicht unbedingt ein Fehler der Blockchain sondern eher der Leute die mit geliehenem Geld zocken als gäbe es kein Morgen. Die Börsen verdienen daran natürlich auch ganz gut, denk ich mal, sonst würden sie diese Hebel ja nicht so offensiv anbieten. Bei den ganzen Kursständen merkt man außerdem wie schnell sich die Stimmung ändert. Erst 59.000, dann 66.000, danach wieder 63.000 und alle suchen im nachhinein den einen Grund dafür. Inflation, Iran, Arbeitsmarkt, ETFs, Strategy, Technologiewerte... am Ende ist wahrscheinlich alles gleichzeitig schuld und keiner weis es wirklich genau. Besonders lustig ist, dass bei steigenden Kursen immer von Vertrauen gesprochen wird und bei fallenden Kursen plötzlich die Makrodaten entdeckt werden, die vorher auch schon da waren. Der Unterschied zwischen Bitcoin und Blockchain ist aber wichtig. Wenn Bitcoin crasht, verschwinden ja nicht automatisch Smart Contracts, Zahlungsanwendungen oder Stablecoins. Wobei Stablecoins auch nicht komplett risikolos sind, nur weil sie Dollar heißen. Irgendwo müssen die Reserven ja liegen und wenn da etwas nicht stimmt, gibt es vermutlich auch eine ziemlich unschöne Überraschung. Aber für echte Zahlungen könnten sie tatsächlich praktischer sein als ein Coin, der innerhalb eines Tages zehn Prozent verliert. Institutionelle Anleger machen den Markt meiner Meinung nach nicht automatisch sicherer. Die haben mehr Geld, bessere Computer und wahrscheinlich noch schnellere Nachrichten als normale Leute. Wenn die raus wollen, wird es für Kleinanleger schnell eng. Regulierung kann Betrug und Pleiten reduzieren, aber sie kann nicht verhindern, dass der Preis völlig übertreibt oder dass alle gleichzeitig zur Ausgangstür rennen. Was mir im Artikel etwas fehlt, ist die Frage wer bei den ganzen Kursbewegungen eigentlich langfristig gewinnt. Die Miner haben Stromkosten, die Börsen Gebühren, die ETF-Anbieter Gebühren und die Anleger hoffen auf den nächsten Käufer. Der technische Nutzen wird immer wieder genannt, aber am Ende wird doch sehr viel über den Dollarpreis geredet. Vielleicht ist genau das noch das eigentliche Problem der Branche: Man will eine neue Finanzwelt sein, misst den Erfolg aber dauernd daran, wie viele alte Dollar ein Bitcoin wert ist. Unterm Strich würde ich jedenfalls nicht von einem Ende der Blockchain sprechen, nur weil Bitcoin mal ordentlich abstürzt. Für Anleger kann so ein Crash trotzdem sehr real sein, besonders wenn sie mit Hebel handeln oder ihr ganzes Geld in eine Sache stecken. Die Fed bleibt unberechenbar, geopolitik sowieso, und der Markt reagiert auf jedes Gerücht. Wer hier investiert sollte also nicht nur auf die nächste Erholung hoffen, sondern auch aushalten können wenn sie erstmal monatelang nicht kommt.

  2. KursKater

    Spannend finde ich vor allem den Gedanken, dass Regulierung zwar die Anbieter stabiler machen kann, aber an der eigentlichen Volatilität wohl kaum etwas ändert.

  3. KursKuddel

    Das mit den möglichen Ansteckungseffekten auf Banken und Fonds find ich fast wichtiger als der nächste Bitcoinpreis, weil da viele wohl garnicht merken würden wo das risiko plötzlich herkommt

  4. KursKeks

    Was mir in den anderen Kommentaren noch fehlt ist die etwas langweilige aber wichtige Frage, ob diese ganzen prozentangaben überhaupt sauber miteinander vergleichbar sind. Ein Bitcoin bei 60.000 Dollar und ein Bitcoin bei 120.000 Dollar klingt natürlich nach einem riesen unterschied, aber für jemanden der jeden monat kleine Beträge spart sieht die Sache ganz anders aus als für einen ETF der plötzlich hunderte Millionen verschiebt. Der artikel springt ziemlich oft zwischen einzelnen tagesständen hin und her, und dadurch wirkt es fast so als könne man aus jedem kurswechsel eine grosse erklärung basteln. Dabei sind 3 prozent an einem tag im Kryptomarkt ja fast schon normales wetter und keine weltbewegende nachricht Auch die zeitliche Einordnung ist irgendwie verwirrend. Da werden Daten vom 9 Juni, 15 Juni, 18 Juni, 23 Juni, 3 Juli und 14 Juli nebeneinander gestellt und am Ende soll daraus ein grosser Trend entstehen. Für mich ist aber nicht ganz klar, ob Bitcoin jetzt wirklich auf die Inflation reagiert oder ob die Inflationszahl nur zufällig genau dann kam, als ohnehin viele trader kaufen wollten. Wenn die gleiche Zahl in einer ruhigen Marktphase veröffentlicht wird, wäre die Reaktion vielleicht ganz anders. Märkte reagieren halt nicht nur auf Nachrichten sondern auch darauf, was vorher schon erwartet wurde, glaube ich jedenfalls. Manchmal ist die gute Nachricht schon im Kurs drin bevor überhaupt jemand die Zeitung aufmacht Bei den ETF-Zuflüssen wäre ausserdem interessant zu wissen, ob dort tatsächlich neues Geld in den Markt fliesst oder ob Anleger nur von einer Börse beziehungsweise einem Wallet in ein reguliertes Produkt umsteigen. Das sieht in einer Schlagzeile dann nach Nachfrage aus, muss aber nicht automatisch zusätzliche Nachfrage sein. Genauso bei den institutionellen Abflüssen: Wenn ein Fonds verkauft, kann das bedeuten das er Bitcoin nicht mehr mag, oder einfach nur Gewinne mitnimmt, Gebühren bezahlen muss oder sein Quartal neu sortiert. Von aussen sehen wir meistens nur die Bewegung und raten uns dann eine geschichte dazu zusammen Was ich bei Strategy und ähnlichen Firmen noch spannend finde ist das Risiko durch die eigene Firmenstruktur. Wenn ein Unternehmen Bitcoin kauft und dafür Schulden macht oder neue Aktien ausgibt, hängt der Erfolg ja nicht mehr nur vom Bitcoinpreis ab. Dann spielt auch eine rolle, ob Anleger diese Finanzierung weiter mitmachen, wie hoch die Zinsen sind und ob die Firma überhaupt noch günstig an neues Kapital kommt. Ein Kursrückgang kann dadurch doppelt weh tun: Der Bitcoin ist weniger wert und gleichzeitig wird es schwieriger, weiteres Geld für neue Käufe zu beschaffen. Ob das dann noch ein langfristiges Investment ist oder schon eine Art Bitcoin-Fonds mit Firmenlogo, da bin ich mir nicht ganz sicher Die Tabelle mit den vielen Coins fand ich eher mässig hilfreich. Dass Sui 5,99 Prozent steigt und Stellar unverändert bleibt sagt erstmal wenig über die Qualität oder den Nutzen dieser Projekte aus. Ein kleiner Coin kann mit wenig Handelsvolumen schnell mehrere Prozent springen, ohne das sich fundamental irgendwas verändert hat. Und bei den Preisen mit vielen Nachkommastellen entsteht eine gewisse wissenschaftliche Optik, obwohl ein Kurs von 0,1644 Dollar nicht seriöser ist als einer von 0,16 Dollar. Vielleicht wäre das Handelsvolumen oder die Markttiefe hier aussagekräftiger gewesen, weil ein paar Prozent plus bei einem kleinen Markt oft viel leichter entstehen als bei Bitcoin Überhaupt wird bei Blockchain-Projekten oft von realen Anwendungen gesprochen, aber der Begriff bleibt ziemlich allgemein. Zahlungsverkehr, digitale Finanzdienstleistungen und Smart Contracts klingt gut, doch entscheidend wäre ja: Wer benutzt das wirklich, wie oft und warum ausgerechnet auf einer Blockchain? Wenn eine Anwendung nur funktioniert weil Tokenpreise steigen und Anleger neue Nutzer subventionieren, ist das noch kein stabiles Geschäftsmodell. Andererseits können sich manche Technologien natürlich auch durchsetzen, obwohl die dazugehörigen Tokens an Wert verlieren. Das ist ein bisschen wie bei Internetfirmen, nur mit mehr Wallets und deutlich mehr Leuten die ihre Passwörter verlieren Bei Stablecoins sehe ich ebenfalls noch eine offene Baustelle. Wenn sie für Zahlungen genutzt werden sollen, muss man nicht nur auf die technische Abwicklung schauen, sondern auch auf Reserven, Prüfungen, Einlösbarkeit und die Frage wer im Notfall haftet. Ein digitaler Dollar ist eben nicht automatisch ein Dollar auf dem Bankkonto. Wenn alle Nutzer gleichzeitig ihr Geld zurück wollen, kommt es darauf an, ob die Reserven wirklich liquide und sicher angelegt sind. Das wird in vielen Diskussionen immer so behandelt als wäre die Dollarbindung ein Naturgesetz, dabei ist sie eher ein Versprechen mit Bedingungen Und dann ist da noch die Frage der Marktbreite. Institutionelle Anleger sollen Bitcoin robuster machen, gleichzeitig können sie bei Stress natürlich mit sehr grossen Summen in die gleiche Richtung laufen. Vielleicht ist der Markt dadurch professioneller, aber nicht unbedingt ruhiger. Ein Fondsmanager muss bei fallenden Kursen unter Umständen verkaufen, weil seine Kunden nervös werden oder interne Verlustgrenzen erreicht sind. Ein Privatbesitzer kann theoretisch einfach abwarten, ein Fonds hat dagegen Regeln, Berichte und Anleger die jeden roten balken sehen wollen. Mehr Professionalität bedeutet also nicht automatisch mehr Gelassenheit Die möglichen Folgen für Banken und Fonds werden meiner meinung nach noch etwas unterschätzt. Selbst wenn Banken nur wenig Bitcoin direkt halten, können sie über Kredite an Börsen, Fonds, Miner oder Stablecoinanbieter indirekt betroffen sein. Dazu kommen Derivate und Sicherheiten, bei denen keiner von aussen sofort sieht wer am Ende welches Risiko trägt. Genau solche Verbindungen sind bei früheren Finanzproblemen oft wichtiger gewesen als das ursprüngliche Produkt. Nicht jeder Kurssturz wird gleich zur Finanzkrise, aber man sollte nicht erst nachher feststellen müssen, dass überall kleine abhängigkeiten versteckt waren Was ich am sinnvollsten fände wäre deshalb weniger die frage ob Bitcoin auf 70.000 oder 60.000 steigt, sondern welche Teile des Ökosystems auch bei sinkenden Kursen weiter funktionieren. Werden Zahlungen abgewickelt, ohne das Nutzer ständig auf Kursgewinne hoffen? Können Miner und Anbieter eine längere Flaute überstehen? Sind die Reserven der Stablecoins nachvollziehbar? Und gibt es Geschäftsmodelle die Einnahmen von echten Kunden bekommen statt hauptsächlich von neuen Investoren? Wenn diese Fragen irgendwann überzeugend beantwortet werden, wäre ein Crash vielleicht wirklich eher eine Marktbereinigung und nicht das Ende der Idee. Bis dahin bleibt es aber ein ziemlich teurer Praxistest mit sehr lauten Schlagzeilen und vermutlich noch einigen Überraschungen geschniegelt.

  5. Anonymous

    Was mir in den bisherigen Kommentaren noch fehlt, ist der Blick auf die Infrastruktur hinter diesen ganzen Bewegungen. Wenn Bitcoin heute stärker auf Arbeitsmarktdaten oder Technologiewerte reagiert als früher, liegt das ja nicht nur daran, dass plötzlich alle Anleger dieselben Nachrichten lesen. Es hängt auch damit zusammen, dass immer mehr Produkte und Handelsplätze den Coin in ganz normale Finanzabläufe einbauen. Dadurch wird Bitcoin zwar leichter zugänglich, aber eben auch stärker in die Mechanik der traditionellen Märkte hineingezogen. Man kauft dann nicht mehr unbedingt direkt Bitcoin, sondern hält vielleicht einen ETF, ein Zertifikat oder irgendein gemischtes Krypto-Produkt. Wenn die Risikobudgets solcher Fonds sinken, wird verkauft, egal ob jemand persönlich gerade von der Technik überzeugt ist oder nicht. Das erklärt vielleicht auch, warum die Kursreaktionen manchmal so unverhältnismäßig wirken. Ein schwacher Konjunkturindikator führt nicht automatisch dazu, dass die Blockchain schlechter funktioniert. Trotzdem wird in Sekundenbruchteilen Geld aus allen möglichen Risikoanlagen abgezogen. Der Markt unterscheidet dann nicht mehr sauber zwischen einem Unternehmen ohne Geschäftsmodell, einem profitablen Netzwerk und Bitcoin, sondern packt alles in die gleiche Schublade. Für die Preisbildung mag das kurzfristig normal sein, für die Bewertung der eigentlichen Technologie ist es aber ziemlich irreführend. Spannend finde ich außerdem die Frage, wie viel der täglichen Liquidität überhaupt „echte“ Nachfrage ist. Wenn ein großer Teil des Handels aus Arbitrage, Market Making, Derivaten und automatisierten Strategien besteht, kann ein Kurs sehr liquide aussehen und trotzdem bei einer plötzlichen Schieflage schnell wegrutschen. Viele Orders liegen vermutlich nur solange im Markt, wie bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Sobald Volatilität oder Nachrichtenlage kippen, verschwinden sie wieder. Dann entsteht der Eindruck, niemand wolle Bitcoin mehr haben, obwohl vielleicht nur die kurzfristigen Käufer ihre Modelle abschalten. Bei Stablecoins sehe ich noch einen Punkt, der in der Debatte oft zu kurz kommt: Sie können praktisch sein, aber ihr Nutzen hängt stark von Vertrauen, Reserven und der rechtlichen Konstruktion ab. Ein digitaler Dollar ist nicht automatisch dasselbe wie ein Bankguthaben oder echtes Zentralbankgeld. Für internationale Überweisungen, Abwicklung und Zahlungen rund um die Uhr kann das durchaus Vorteile haben. Gleichzeitig muss aber klar sein, wer im Ernstfall haftet und wie schnell man seine Ansprüche tatsächlich einlösen kann. Gerade wenn ein Stablecoin plötzlich massenhaft zurückgegeben wird, dürfte sich zeigen, ob die versprochenen Reserven wirklich verfügbar und ausreichend liquide sind. Auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Blockchain-Projekten werden meiner Meinung nach häufig unterschätzt. Bei manchen Netzwerken stehen tatsächlich Anwendungen, Entwickler und Nutzer im Mittelpunkt. Bei anderen wird hauptsächlich ein Token gehandelt, dessen Kurs durch Marketing und Spekulation getragen wird. Wenn Bitcoin fällt, werden aber oft alle Projekte gemeinsam abgestraft. Das ist für Anleger vielleicht bequem, weil man einfach den ganzen Sektor verkauft. Es verhindert jedoch eine vernünftige Unterscheidung zwischen technischen Fortschritten und reinen Hype-Projekten. Die Institutionalisierung könnte langfristig sogar dazu führen, dass diese Unterschiede wichtiger werden. Große Anleger können nicht dauerhaft nur einer Erzählung hinterherlaufen, sondern müssen sich irgendwann mit Verwahrung, Abwicklung, Bilanzierung und tatsächlichen Erträgen beschäftigen. Vielleicht ist das weniger spektakulär als die nächste Kursprognose, aber genau dort entscheidet sich, ob aus der Branche mehr wird als ein gigantischer Handelsplatz für digitale Vermögenswerte. Ein Netzwerk, das günstigere Abwicklungen oder neue Finanzdienstleistungen ermöglicht, muss nicht jeden Monat einen neuen Höchststand erreichen, um nützlich zu sein. Dazu passt auch der oft übersehene Faktor Energie und Infrastruktur. Bei Bitcoin geht es nicht nur um den Stromverbrauch, sondern auch um die Frage, wo Mining wirtschaftlich sinnvoll ist und wie stark die Betreiber auf den Kurs angewiesen sind. Sinkt der Preis lange, werden ineffiziente Miner aussortiert. Das kann die Branche bereinigen, bedeutet aber auch, dass bei manchen Unternehmen hohe Schulden und teure Hardware zum Problem werden. Für das Netzwerk selbst ist das nicht zwangsläufig eine Katastrophe, für die betroffenen Firmen und ihre Anleger aber schon. Bei der Regulierung bin ich ebenfalls zwiegespalten. Klare Regeln helfen seriösen Unternehmen, weil sie nicht mehr mit jedem dubiosen Anbieter in einen Topf geworfen werden. Gleichzeitig kann Regulierung auch dazu führen, dass sich der Markt auf einige wenige große Plattformen konzentriert. Dann sinkt zwar vielleicht das Risiko einzelner Betrügereien, aber die Abhängigkeit von großen Verwahrern und Börsen wächst. Dezentral klingt Bitcoin oft dann, wenn man über das Protokoll spricht; beim Zugang, bei der Verwahrung und beim Handel läuft aber erstaunlich viel über zentrale Firmen. Am Ende dürfte die entscheidende Bewährungsprobe deshalb nicht nur ein weiterer Kurssturz sein, sondern ein längerer Zeitraum mit langweiligen Preisen. In einem echten Seitwärts- oder Bärenmarkt zeigt sich, welche Projekte Entwickler und Kunden behalten, welche Unternehmen ihre Kosten im Griff haben und welche Geschäftsmodelle auch ohne tägliche Rekordmeldungen funktionieren. In den Boomphasen sieht fast jedes Konzept genial aus. Wenn das Geld knapp wird, bleiben meistens nur die Anwendungen übrig, für die jemand tatsächlich bezahlen möchte. Ich würde deshalb nicht sagen, dass ein Bitcoin-Crash harmlos wäre. Für die Marktteilnehmer, die sich zu teuer eingekauft haben, kann er finanziell sehr schmerzhaft werden, und auch Anbieter mit hohen Fixkosten könnten unter Druck geraten. Aber ein fallender Kurs beantwortet eben nicht automatisch die Frage, ob dezentrale Netzwerke langfristig sinnvoll sind. Vielleicht sorgt ein solcher Crash sogar dafür, dass die Branche weniger über Kursziele und mehr über Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit und echte Anwendungsfälle spricht. Das wäre wahrscheinlich die gesündere Entwicklung, auch wenn sie an der Börse erstmal deutlich weniger aufregend aussieht.

  6. Anonymous

    Der Punkt mit den möglichen Ansteckungseffekten auf Banken und Fonds kommt mir bisher zu kurz, denn genau dort könnte ein großer Crash deutlich mehr auslösen als nur rote Zahlen im Kryptodepot.

  7. Anonymous

    Ich finde vorallem den Gedanken zur Liquidität interesant, weil „mehr Marktbreite“ ja nicht automatisch heist das man im Ernstfall auch rauskommt. Wenn viele große Fonds über die gleichen ETF Schienen investieren, sieht das erstmal professionel aus, kann aber auch bedeuten das am Ende alle auf den selben Knopf drücken. Dann ist der Markt zwar regulierter, aber nicht unbedingt weniger nervös, eher im Gegenteil weil die Beträge viel größer sind. Auch diese Angaben zu den langfristigen Gewinnen sollte man meiner meinung nach vorsichtig lesen. Mehr als 9000 Prozent seit 2016 klingt natürlich gigantisch, sagt aber für jemanden der 2025 oder kurz vor dem Hoch eingestiegen ist relativ wenig aus. Prozentzahlen über sehr lange Zeiträume lassen sich immer gut vermarkten, verschweigen aber die zwischenzeitlichen Abstürze. Wer bei 126.000 Dollar gekauft hat, kann schlecht mit dem Juni 2016 trösten lassen. Das ist so ähnlich wie bei Immobilien, im Rückblick sieht alles wie eine gerade Erfolgskurve aus, obwohl man zwischendrin auch jahrelang falsch liegen kann. Was mir bei Stablecoins oft zu einfach dargestellt wird, ist dieses „an den Dollar gekoppelt“. Eine Kopplung ist ja kein Zauberspruch, sondern muss irgendwie mit Reserven, Banken und Vertrauen unterlegt sein. Wenn viele Nutzer gleichzeitig ihr Geld zurück wollen, muss die Deckung auch wirklich verfügbar und nicht nur irgendwo in langfristigen Anlagen versprochen sein. Sonst hat man am Ende zwar einen digitalen Dollar, aber mit einem kleinen Sternchen daneben. Für Überweisungen und internationale Zahlungen kann das trotzdem sinnvoll sein, gerade wenn normale Bankwege langsam oder teuer sind. Nur sollte man den praktischen Nutzen nicht mit völliger Sicherheit verwechseln. Die Sache mit den Minern wird ebenfalls gern etwas technisch behandelt, obwohl es am Ende ein ganz normales Geschäftsproblem ist: Einnahmen sinken, Stromrechnung bleibt. Große Betreiber haben vielleicht bessere Verträge und effizientere Geräte, kleinere Firmen können aber schnell rausfallen. Das könnte sogar zu einer stärkeren Konzentration führen, weil nur die größten Mining-Farmen einen längeren Bärenmarkt überstehen. Und dann wäre das Netzwerk zwar nicht kaputt, aber die Frage nach der Verteilung der Rechenleistung wird wieder wichtiger. Bei Start-ups dürfte der Effekt auch zweischneidig sein. Weniger leichtes Geld kann Projekte aussortieren, die eigentlich nur durch schöne Präsentationen und Tokenwerbung gelebt haben. Andererseits trifft der Geldmangel natürlich auch gute Ideen, wenn sie gerade zur falschen Zeit Finanzierungen brauchen. In Boomphasen wird fast alles als Zukunftstechnologie verkauft und im Abschwung wird dann plötzlich jede Anwendung nach echten Einnahmen gefragt. Das ist vermutlich gesund, aber für die betroffenen Entwickler trotzdem ziemlich brutal. Die möglichen Folgen für Banken und Fonds finde ich noch nicht ganz greifbar, weil es stark darauf ankommt wer tatsächlich wie stark investiert ist. Ein Kursverlust von 80 Prozent klingt dramatisch, muss aber für das Finanzsystem nicht automatisch eine neue Weltwirtschaftskrise bedeuten, wenn die direkten Positionen klein bleiben. Gefährlich wird es eher wenn überall Kredite, Sicherheiten und Derivate dranhängen, und keiner genau weis wer am Ende auf den Verlusten sitzen bleibt. Bei Terra Luna und FTX war ja auch nicht nur der Preis das Problem, sondern die ganzen Versprechen und Verflechtungen dahinter. Vielleicht wäre deshalb eine bessere Frage als „überlebt Bitcoin den Crash?“: Welche Projekte überleben ohne dauerhaft neue Anleger anzulocken. Wenn ein Netzwerk nur funktioniert solange der Tokenpreis steigt, ist das Geschäftsmodell doch ziemlich wackelig. Bei Zahlungsanwendungen, Identitäten oder Abwicklungen könnte der Kurs weniger wichtig sein, aber auch dort muss man zeigen, warum eine Blockchain besser ist als eine normale Datenbank. Nicht jede digitale Anwendung braucht automatisch eine öffentliche Chain, das wird in der Branche manchmal so dargestellt als wäre Blockchain die Lösung für alles. Die Regulierung kann hier auch helfen, wenn sie nicht nur neue Formulare produziert. Transparente Reserven, klare Regeln für Hebel und ordentliche Kundengeldtrennung wären schon viel wert. Gegen Panik und schlechte Kaufentscheidungen hilft aber auch das beste Gesetz nicht. Wenn jemand sein ganzes Vermögen in einen volatilen Coin steckt, kann der Staat den Verlust nicht wegregulieren. Vielleicht wird durch die Professionalisierung immerhin deutlicher, welche Risiken man tatsächlich kauft und welche Anbieter nur besonders laut Werbung machen. Insgesamt glaube ich darum auch nicht an ein einfaches entweder Bitcoin ist die Zukunft oder alles ist Betrug. Beides sind bequeme Erzählungen, die mit der Realität wenig zu tun haben. Bitcoin kann als knappes digitales Asset interessant sein und gleichzeitig ein sehr ungeeigneter Notgroschen. Stablecoins können praktisch sein und trotzdem Gegenparteirisiken haben. Blockchain-Projekte können echte Anwendungen entwickeln und trotzdem an Finanzierung oder schlechter Führung scheitern. Das müsste man bei solchen Artikeln eigentlich immer zusammen denken, statt nach jedem Kursausschlag gleich die ganze Branche für tot oder unbesiegbar zu erklären.

  8. Krypto-Klartext

    Spannend finde ich vor allem die mögliche Entkopplung von Stablecoins und praktischen Blockchain-Anwendungen vom Bitcoin-Kurs, denn daran wird sich zeigen ob die Branche mehr kann als nur Spekulation.

  9. Anonymous

    Was mich bei den bisherigen kommentaren noch wundert ist die rolle der zeitpunkte. Da werden ständig kurse von verschiedenen tagen nebeneinander gestellt, aber dadurch entsteht schnell der eindruck als wäre das alles eine einzige direkte bewegung gewesen. 57.735 dollar am einen tag, 66.000 kurz danach und dann wieder 63.800 klingt natürlich dramatisch, aber ohne genau zu wissen ob das Tageshoch, schlusskurs oder nur ein zufälliger kurs um 16 uhr war, vergleicht man irgendwie äpfel mit birnen. Bei Bitcoin reicht ja schon eine andere uhrzeit und börse für ein paar hundert dollar unterschied. Auch die Prozentangaben bei den verschiedenen Coins finde ich etwas irreführend. Wenn Sui um fast sechs Prozent steigt, hört sich das erstmal besser an als ein Bitcoinplus von drei Prozent, sagt aber alleine noch nicht viel über die Qualität oder Bedeutung aus. Bei kleinen und weniger liquiden Coins können schon relativ kleine Handelsvolumen solche bewegungen auslösen. Und wenn ein Coin nur ein paar Cent kostet, wirkt eine Änderung in der dritten Nachkommastelle gleich riesig, obwohl man daraus nicht automatisch auf breite Nachfrage schließen kann. Gerade bei solchen Tabellen sollte man vielleicht immer auch Handelsvolumen und Marktkapitalisierung daneben schreiben. Der ETP ist ebenfalls so ein Punkt. Ein Produkt auf die zehn wichtigsten Kryptowährungen klingt bequem, aber dadurch kauft man eben nicht einfach nur Bitcoin, sondern gleich viele verschiedene Risiken mit. Was überhaupt „wichtigste“ bedeutet ist ja auch nicht ganz neutral, weil die Auswahl nach Marktkapitalisierung die bereits großen Projekte bevorzugt. Wenn ein Coin abstürzt und aus der Top zehn fällt, wird er vermutlich ersetzt, was für Anleger dann wie eine automatische Bereinigung aussieht, aber auch Verluste einfach unsichtbarer machen kann. Die Tabelle zeigt also Tagesbewegungen, nicht ob jemand mit dem Produkt langfristig wirklich gut gefahren ist. Bei den Inflationsdaten hätte ich außerdem gerne mehr zur Zusammensetzung gesehen. Eine sinkende Gesamtinflation kann ja trotzdem bedeuten, dass Mieten, Versicherungen oder Lebensmittel weiter stark steigen. Für die Fed ist der Durchschnitt wichtig, für normale Haushalte aber eher die persönliche Mischung im Einkaufswagen. Wenn Energiepreise wegen eines Krieges steigen und später wieder fallen, kann die Statistik besser aussehen, während andere Preise dauerhaft höher bleiben. Das macht die Reaktion der Märkte verständlich, aber für die Lebenswirklichkeit vielleicht weniger beruhigend. Was mir bei der Diskussion über Zinserhöhungen auch fehlt, ist der Unterschied zwischen nominalem und realem Zins. Ein Leitzins von 3,5 bis 3,75 Prozent wirkt erstmal hoch, aber bei einer Inflation von 3,5 Prozent bleibt davon real nicht besonders viel übrig, zumindest bevor man weitere Faktoren berücksichtigt. Ich bin da kein Ökonom und wahrscheinlich ist es komplizierter, aber nur die eine Zahl anzuschauen führt vermutlich auch zu falschen Schlüssen. Die Börse reagiert dann auf zehn Basispunkte, während die meisten Menschen eher merken, dass ihre Kreditrate oder die Miete gestiegen ist. Interessant finde ich den möglichen Zusammenhang zwischen Energiepreisen und Bitcoin-Minern. Im Artikel wird erwähnt, dass Miner bei niedrigen Kursen unter den Kosten leiden, aber wenn gleichzeitig Öl oder allgemein Energie teurer wird, verschärft sich das Problem ja doppelt. Manche Miner suchen deshalb vielleicht besonders billigen Strom oder gehen in Länder mit schwächerer Regulierung, was dann wieder politische und ökologische Fragen aufwirft. Ein niedriger Bitcoinpreis ist also nicht nur ein Börsenproblem, sondern kann auch die geografische Verteilung des Minings verändern. Ob dadurch am Ende wirklich effizienter gearbeitet wird oder nur mehr Risiken verlagert werden, wäre noch eine eigene Untersuchung wert. Bei der angeblich höheren Robustheit durch Regulierung bin ich nicht ganz überzeugt. Regulierung kann sicher helfen, dass eine Börse nicht einfach mit Kundengeldern verschwindet oder dass Werbung weniger irreführend ist. Sie schützt aber nicht davor, dass ein regulierter Fonds in einem fallenden Markt verkaufen muss. Vielleicht führt die offizielle Zulassung sogar dazu, dass mehr Leute Bitcoin kaufen, weil es seriös klingt, obwohl das Kursrisiko genau gleich bleibt. Ein TÜV-Siegel für die Infrastruktur ist schließlich kein TÜV-Siegel für den Bitcoinpreis. Und bei den Stablecoins sollte man meiner Meinung nach genauer unterscheiden. Ein Dollar-Stablecoin ist nicht automatisch so sicher wie ein Dollar auf dem Bankkonto. Entscheidend ist, wer die Reserven hält, wie liquide diese sind und ob es Kontrollen oder unabhängige Prüfungen gibt. Wenn viele Nutzer gleichzeitig ihre Stablecoins zurücktauschen wollen, könnte sich zeigen, ob die versprochene Deckung wirklich praktisch funktioniert. Für internationale Überweisungen sind solche Coins vielleicht nützlich, aber dann entstehen auch Fragen zu Geldwäsche, Datenschutz und dem Zugriff von Behörden. Praktischer heißt nicht gleich harmloser. Der Vergleich mit der Blockchain-Ökonomie bleibt mir ebenfalls etwas zu allgemein. Blockchain ist ja kein einzelnes Produkt, sondern eher eine Sammlung verschiedener Verfahren. Ein Netzwerk für Zahlungen, eine Plattform für digitale Eigentumsnachweise und ein spekulativer Token haben nicht automatisch denselben Nutzen. Wenn der Bitcoinpreis fällt, können manche Projekte sogar profitieren, weil Entwickler und Nutzer dann weniger von Hype und mehr von tatsächlichen Anwendungen reden. Es kann aber genauso gut sein, dass ein Crash Investoren vertreibt und dadurch gerade sinnvolle Projekte kein Geld mehr bekommen. Beides ist möglich, weshalb „nicht automatisch“ zwar stimmt, aber noch keine Prognose ist. Am Ende finde ich den Artikel gerade deshalb interessant, weil er keine einfache Geschichte erzählt. Die Inflationszahl ist besser als erwartet, trotzdem bleibt die Lage angespannt. Schwächere Arbeitsmarktdaten helfen Bitcoin kurzfristig, können aber gleichzeitig auf eine schwächere Wirtschaft hindeuten. Institutionen bringen mehr Kapital und Infrastruktur, können aber bei Stress auch größere Verkaufswellen verursachen. Und Regulierung schafft Vertrauen, ohne die eigentliche Spekulation abzuschaffen. Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis wirklich, dass Bitcoin inzwischen viel stärker mit den normalen Finanzmärkten verbunden ist, als manche Anhänger noch behaupten. Ob das ein Zeichen von Reife oder einfach nur von größerer Ansteckungsgefahr ist, wird sich wohl erst beim nächsten richtigen Stresstest zeigen.

  10. Anonymous

    Was mir dabei noch durch den Kopf geht: Die stärkere Regulierung klingt zwar beruhigend, kann aber auch dazu führen, dass Bitcoin am Ende einfach wie ein weiterer Baustein im klassischen Finanzsystem behandelt wird. Dann wäre zwar vieles professioneller, der ursprüngliche Gedanke von mehr Unabhängigkeit aber ein gutes Stück verwässert. Bei Stablecoins sehe ich den praktischen Nutzen eher, solange klar geregelt ist, wer die Reserven prüft und wie sicher sie wirklich sind.

  11. Anonymous

    Die mögliche Ansteckung auf Banken und Fonds find ich noch den spannendsten offenen Punkt, weil ein Crash dann nicht nur ein paar Zocker treffen würde sondern evt auch ganz normale Anleger über deren Finanzprodukte.

  12. Anonymous

    Was mir noch fehlt ist die technische Seite: Wenn die Kurse abstürzen, wird immer gleich über Vertrauen und Milliarden geredet, aber die Netzwerke laufen ja nicht automatisch schlechter deswegen. Ob Stablecoins wirklich stabil sind zeigt sich vermutlich erst wenn viele gleichzeitig ihr Geld zurück wollen, da bin ich eher skeptisch.

  13. Anonymous

    Was im Artikel etwas untergeht: Bei all den Zahlen bleibt offen, wie groß die tatsächliche Nutzung von Blockchain-Anwendungen abseits des Handels wirklich ist. Stablecoins klingen für Zahlungen interessant, müssen sich aber erst im Alltag gegen etablierte Systeme behaupten – ein paar Kursgewinne allein sind dafür jedenfalls kein Beweis.

  14. CoinFlip

    Die mögliche Ansteckung auf Banken und Fonds find ich fast wichtiger als der Kurs selber, weil da bei 50 bis 80 Prozent minus ja schnell mehr als nur Krypto betroffen sein könnte und keiner genau weis wo die Verbindungen liegen.

  15. Anonymous

    Was im Artikel kaum vorkommt ist der Energieverbrauch der Miner, denn selbst wenn Bitcoin fällt laufen die Stromkosten ja weiter und das macht die ganze Sache noch riskanter.

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