Veröffentlicht: 13.07.2017

Ist Bitcoin ein Schneeballsystem?

Ist Bitcoin ein Schneeballsystem?

Die im Thema genannte Fragestellung kam erstmals 2012 auf, als die Zentralbank von Estland vor “Bitoins als Schneeballsystem” warnte. Doch diese Kennzeichnung geht fehl. Schneeballsysteme sind betrügerische Investitionsgeschäfte, bei denen nachfolgende Investoren die Erträge für ihre Vorgänger einzahlen, ohne dass Gewinne erwirtschaftet werden.

Die letzten Investoren gehen leer aus, wenn das System kollabiert, was unweigerlich mangels der begrenzten Zahl nachrückender Investoren passiert. Von so einem System ist die Bitcoin-Währung aber weit entfernt.

Wesen der Bitcoins

Die Bitcoins entstehen als Ergebnis eines freien Software-Projekts ohne zentrale Instanz. Schon aus diesem Grund gibt es keinen Teilnehmer in der Position, anderen Teilnehmern falsche Versprechungen zu machen und sie damit zu sinnlosen Investitionsbeträgen zu verleiten. Doch natürlich ist die Kaufkraft der Bitcoins wie bei allen bedeutenden Währungen (Dollar, Euro, Yen, Franken, Gold etc.) nicht eindeutig definiert oder garantiert, der Wechselkurs schwankt, die Volatilität kann beunruhigend wirken.

Besitzer von Bitcoins können dadurch unerwartet hohe Gewinne erzielen oder Verluste erleiden, was Misstrauen gegenüber der sehr jungen virtuellen Währung erzeugt. Diese Schwankungen basieren aber auf Spekulation wie bei vielen anderen Assets – im Prinzip bei allen börslich gehandelten Werten. Das hat mit den Auswirkungen oder Eigenschaften von Schneeballsystemen nichts zu tun.

Jenseits der Spekulation können Bitcoin-Besitzer mit der virtuellen Währung ganz normal bezahlen, in Japan wurde diese Währung inzwischen ins offizielle Geldsystem aufgenommen. So etwas passiert Schneeballsystemen garantiert nicht.

Warum ordnet jemand den Bitcoin den Schneeballsystemen zu?

Die erste Warnung dieser Art kam wie erwähnt aus Estland, sie wurde übrigens bei aller sonstigen Kritik an den Kryptowährungen von anderen Bankern nicht wiederholt. Die Kritiken und geäußerten Bedenken aus der Bankenszene haben einen handfesten Hintergrund: Die Währungshüter mögen Cyber-Währungen ganz und gar nicht. Sie sind dezentral und durch die Banken nicht zu kontrollieren, das beschneidet ganz entscheidend deren Macht. Daher verwendete man das Totschlag-Argument des “Schneeballsystems“, es kam vom Leiter für Zahlungssysteme in der Talliner Bank Mihkel Nommela.

Er bezeichnete Bitcoins damals als “problematisches Schema” und positionierte sich mit dieser Meinung gegenüber der anfragenden Redaktion von Bloomberg News. Die Risiken lägen komplett beim Nutzer, so Nommela weiter, dieser könne sich von niemandem helfen lassen. Andere Banker warnten schon zeitig vor dem Missbrauch der Bitcoins durch Kriminelle, auch sperrten sich Banken wie die schwedische SEB dagegen, Bitcoin-Konten einzurichten.

In diese Linie, verbunden mit einer starken Warnung an die Kunden vor Kryptowährungen, schwenkte auch die Nordea Bank als größtes skandinavisches Geldinstitut ein. Der Tenor lautete grundsätzlich, dass virtuelle Währungssysteme mit größter Vorsicht zu betrachten seien. Sie böten keine Garantien, es gäbe auch keine verantwortlichen Parteien. Dass der Bitcoin kein Schneeballsystem sei, müsse erst bewiesen werden, wie Nommela abschließend anmerkte. Das bedeutet: Im Zweifel zuungunsten des Angeklagten.

Weitere Hintergründe zu Bitcoins als angeblichem Schneeballsystem

In der Tat gibt es viele Schneeballsysteme im Internet, einige von ihnen werden mithilfe von Krypowährungen vermarktet. Auch einige Vertriebsstrukturen, die aktuell den Bitcoin pushen, indem sie Anleger zur Investition ins Mining auffordern, gehen in ihrer Werbung recht aggressiv vor und erzeugen damit Misstrauen. Doch all das hat nichts mit Schneeballsystemen zu tun.

Diese sind grundsätzlich dadurch gekennzeichnet, dass “blaue Luft” verkauft wird: Es gibt gar kein Produkt, sondern nur ein Versprechen. In dieses investieren Menschen, gleichzeitig sollen sie neue Investoren begeistern. Der Nachschub an Geld führt in der Spitze der Pyramide und bis auf einige Ebenen abwärts wirklich zu großen Gewinnen, bis das System auffliegt und die letzten Investoren ihren Einsatz abschreiben müssen. Klassische Schneeballsysteme betreiben häufig einen großen Aufwand, um neue Teilnehmer durch “Schulungen”, damit verbundene Schulungsgebühren und jede Menge Unterlagen zu einem vermeintlichen Produkt zu gewinnen.

All das gibt es bei Bitcoins nicht, es hätte auch nicht viel Zweck. Wer sich mit der Blockchain-Technologie befasst, allein wer schon mit eWallets und Kryptowährungen umgeht, ist einfach nicht dumm genug, um auf die plumpen Versprechungen von Schneeballsystemen hereinzufallen. Diese sind eher etwas für Menschen, die auch an Kaffeefahrten teilnehmen, einem Gebrauchtwarenhändler blind vertrauen oder andächtig den Ausführungen eines Versicherungsvertreters lauschen.

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3 Kommentare

  • Avatar Bernhard Sillich schreibt:

    Der Beitrag hinterlässt bei mir kein Gefühl von Sicherheit, wenn der Autor selbst populistisch argumentiert. Herr Weipprecht hebt auf die Unterschiede ab, ohne die Gemeinsamkeiten mit einem Schneeballsystem zu entkräften. Natürlich haben Bitcoin-Eigner ein Interesse daran, die Nachfrage zu steigern. Je höher der Kurs, desto mehr unseriöse Investitionsempfehlungen scheint es schon jetzt zu geben. Ohne eine Verknüpfung – sei sie auch politischer Natur – z.B. mit einer Volkswirtschaft, handelt es sich – trotz überlegener Technik – nicht um eine Währung im herkömmlichen sind, sondern um ein Schneeballsystem.

  • Avatar Bernhard Sillich schreibt:

    Nach neusten Meldungen (s.Link) kontrollieren weniger als 5% der Besitzer von Bitcoins über 96% der Geldmenge. 1% der Besitzer sogar die Hälfte. Diese Anteilsstruktur in einem unkontrollierten System öffnet Kursmanipulationen Tür und Tor. Geringste Handelsumsätze sind demnach verantwortlich für die bislang als fabelhaft erscheinenden Kurssprünge der Bitcoins. 1% der Besitzer kontrollieren den Markt und entscheiden, wann die übrigen Anleger ihr Geld an die Initiatoren verlieren. Bei Bitcoin verdichten sich die Hinweise auf vorsätzlichen Anlagebetrug.

    http://t3n.de/news/bitcoin-adressen-reichtum-haeufung-859179/

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