Inhaltsverzeichnis:
Blockchain rückt immer stärker ins Zentrum der traditionellen Finanzwelt: Die EZB prüft tokenisiertes Zentralbankgeld, Riot Blockchain baut seine KI-Infrastruktur aus und Japan plant die Rund-um-die-Uhr-Abwicklung von Aktien und Staatsanleihen. Der Pressespiegel zeigt, wie Zentralbanken, Unternehmen und Finanzmärkte ihre Strategien für die nächste Phase der digitalen Finanzinfrastruktur entwickeln.
EZB prüft Blockchain-Einsatz für Zentralbankgeld und Finanzmärkte
Die Europäische Zentralbank sollte Blockchain-Technologie einführen, um ihre zentrale Rolle im Finanzsystem zu bewahren. Diese Einschätzung vertrat EZB-Direktorin Isabel Schnabel bei ihrer Rede auf dem Jackson-Hole-Wirtschaftssymposium am Freitag. Nach ihrer Darstellung könnte der Einsatz der Technologie zudem schnellere Reaktionen auf Marktstress ermöglichen.
Zentralbanken weltweit sehen sich laut IndexBox mit dem Wachstum des blockchainbasierten Finanzwesens konfrontiert. Transaktionen werden dabei über verteilte digitale Ledger abgewickelt, anstatt ausschließlich auf der traditionellen Marktinfrastruktur zu beruhen. Schnabel zufolge sollten die EZB und andere Zentralbanken ebenfalls „on-chain“ gehen, um Liquidität bereitzustellen und geldpolitische Operationen mit der Technologie durchzuführen.
Die Zentralbanken müssten ihr Geld in eine tokenisierte Umgebung bringen und ihre Instrumente zur Umsetzung der Geldpolitik modernisieren, erklärte Schnabel. Dadurch könne die Rolle von Zentralbankgeld gegenüber privaten Alternativen wie Stablecoins bewahrt werden. Stablecoins sind an traditionelle Währungen gekoppelte Token und werden zunehmend für Abwicklungen verwendet.
Als möglichen Vorteil programmierbarer Transaktionen nannte Schnabel eine höhere Agilität bei der Bereitstellung von Liquidität. Differenzierte Zinssätze könnten angewendet und Besicherungsanforderungen automatisiert werden. Für die technische Umsetzung schlug sie ein einziges europäisches Ledger vor, auf dem Zentralbankgeld, privates Geld und Finanzanlagen abgewickelt werden.
Als Beispiel verwies sie auf Südkoreas Projekt Hangang. Alternativ könnten mehrere Ledger miteinander verbunden werden, damit sie kommunizieren und plattformübergreifende Transaktionen verarbeiten können.
Die EZB arbeitet bereits an einer Integration von Blockchain in ihr Zahlungssystem. Die Pontes-Initiative soll Distributed-Ledger-Plattformen mit der bestehenden Zahlungsinfrastruktur verbinden. Das parallele Projekt Appia untersucht die langfristige Architektur, Standards und den rechtlichen Rahmen für einen europäischen Markt für tokenisierte Vermögenswerte.
| Projekt | Ziel |
|---|---|
| Pontes | Verbindung von Distributed-Ledger-Plattformen mit der bestehenden Zahlungsinfrastruktur |
| Appia | Untersuchung von Architektur, Standards und rechtlichem Rahmen für tokenisierte Vermögenswerte |
Zusammenfassung: Laut IndexBox sieht Isabel Schnabel Blockchain als Möglichkeit, Zentralbankgeld, Liquiditätsbereitstellung und geldpolitische Operationen an eine zunehmend tokenisierte Finanzwelt anzupassen.
Riot Blockchain bindet 241 Megawatt für KI-Infrastruktur vertraglich
Riot Blockchain hat zur Finanzierung des Ausbaus seiner Rechenzentrumskapazitäten eine vorrangig besicherte Kreditfazilität in Höhe von 573 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Wie Börse Express berichtet, wurde die Finanzierung von einer durch Morgan Stanley angeführten Bankengruppe bereitgestellt und als Projektfinanzierung ohne Rückgriffsmöglichkeit auf die Muttergesellschaft strukturiert.
Die Mittel fließen direkt in das 191-Megawatt-Projekt in Rockdale. Dort sollen Ausrüstung und Infrastruktur finanziert werden. Riot richtet den strategischen Schwerpunkt damit zunehmend auf KI-Infrastruktur und will sich über das klassische Bitcoin-Mining hinaus als Infrastrukturdienstleister für künstliche Intelligenz positionieren.
Vor rund zwei Wochen schloss das Unternehmen einen 20-Jahres-Vertrag mit dem KI-Spezialisten Anthropic. Die Vereinbarung umfasst eine Kapazität von 191 Megawatt am Standort Rockdale. Medienberichten zufolge könnte der Vertrag über die gesamte Laufzeit einen Umsatz zwischen 9,1 Milliarden und 9,8 Milliarden US-Dollar generieren.
Parallel baut Riot die Zusammenarbeit mit dem Chiphersteller AMD aus. Die ersten 25 Megawatt für AMD wurden laut dem Bericht termingerecht und im Rahmen des Budgets bereitgestellt. Eine Erweiterung um zusätzliche 25 Megawatt befindet sich bereits im Bau.
Für Anthropic und AMD ergibt sich damit eine vertraglich gebundene Kapazität von insgesamt 241 Megawatt. Die Neuausrichtung auf Daten-Infrastruktur soll die Abhängigkeit von der Volatilität des Kryptomarktes verringern, während das klassische Mining-Geschäft zuletzt unter Kostendruck stand.
Umsatz steigt im zweiten Quartal 2026
Im zweiten Quartal 2026 stieg der Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 174,2 Millionen US-Dollar. Das wachsende Segment der Rechenzentren steuerte 23,2 Millionen US-Dollar bei. Trotz eines Nettoverlustes, der vor allem auf höhere Betriebskosten und Wertminderungen zurückgeführt wurde, verfügte Riot zum Quartalsende über flüssige Mittel von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Projektfinanzierung | 573 Millionen US-Dollar |
| Projekt Rockdale | 191 Megawatt |
| Vertraglich gebundene Kapazität für Anthropic und AMD | 241 Megawatt |
| Umsatz im zweiten Quartal 2026 | 174,2 Millionen US-Dollar |
| Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum | 14 Prozent |
| Umsatz Rechenzentren | 23,2 Millionen US-Dollar |
| Flüssige Mittel zum Quartalsende | mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar |
Analysten erhöhen Kursziele, Aktie gibt nach
Mitte August hob Morgan Stanley das Kursziel für die Aktie von 36 auf 43 US-Dollar an und bestätigte die Einstufung „Overweight“. Macquarie erhöhte sein Kursziel am 12. August von 30 auf 35 US-Dollar und bewertete die Aktie weiterhin mit „Outperform“. Bernstein verwies in einer zeitnahen Einschätzung auf das Potenzial des Anthropic-Vertrags als wichtigen Treiber für die Bewertung.
Auch im regulatorischen Umfeld meldete Riot Fortschritte. Vor zehn Tagen erklärte der texanische Gouverneur Greg Abbott, dass Riot Platforms die neuen Standards und Richtlinien für Rechenzentren im Bundesstaat erfüllt. Dies schafft zusätzliche Planungssicherheit für den wichtigen Standort Texas.
An der Börse wurde die Entwicklung dennoch vorsichtig aufgenommen. Die Aktie von Riot Blockchain notierte am heutigen Freitag bei 16,51 Euro und lag damit 7,6 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn weist der Wert laut Börse Express dennoch ein Plus von 46 Prozent auf. Die Marktkapitalisierung belief sich aktuell auf rund 6,86 Milliarden Euro.
Zusammenfassung: Riot Blockchain finanziert den Ausbau seiner KI- und Rechenzentrumsaktivitäten mit 573 Millionen US-Dollar. Die Verträge mit Anthropic und AMD umfassen 241 Megawatt, während die Aktie bei 16,51 Euro notierte und um 7,6 Prozent fiel.
Japan plant Blockchain-System für Aktien und Staatsanleihen
Japan arbeitet an einem blockchainbasierten System, über das Aktien und Staatsanleihen künftig rund um die Uhr abgewickelt werden könnten. Das berichtet die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei, wie CoinPro.ch schreibt. Das Vorhaben befindet sich noch in der Planungsphase und soll die traditionelle, an Börsenöffnungszeiten gebundene Finanzmarktinfrastruktur erweitern.
Im Mittelpunkt steht nicht der eigentliche Handel, sondern die Abwicklung der Transaktionen. Digitale Register könnten Transaktionen nahezu in Echtzeit und unabhängig von Börsenöffnungszeiten ermöglichen. Dadurch könnten Prozesse beschleunigt und der administrative Aufwand reduziert werden.
An dem Projekt beteiligen sich laut Bericht das japanische Finanzministerium, die Finanzaufsicht FSA, die Bank of Japan sowie zahlreiche Geschäftsbanken und Finanzdienstleister. Die Zusammenarbeit staatlicher Institutionen und privater Unternehmen unterstreicht nach Darstellung von CoinPro.ch die strategische Bedeutung der geplanten Infrastruktur.
Ein sofortiger Start ist nicht vorgesehen. Bis zum ersten Quartal 2027 soll zunächst ein umfassender Fahrplan erstellt werden. Dieser soll die technische Architektur, die verwendete Blockchain und die Zuständigkeiten der beteiligten Institutionen definieren. Mit einer Einführung wird frühestens nach 2030 gerechnet.
| Planungsschritt | Angabe |
|---|---|
| Fahrplan | Bis zum ersten Quartal 2027 |
| Frühestmögliche Einführung | Nach 2030 |
Mögliche internationale Nutzung
Das langfristige Ziel könnte über den heimischen Kapitalmarkt hinausreichen. Nach den derzeitigen Planungen könnte die Infrastruktur später auch für internationale Geldtransfers genutzt werden. Damit könnte aus dem Projekt für Aktien und Staatsanleihen eine Plattform für grenzüberschreitende Finanzströme werden.
CoinPro.ch ordnet den Vorstoß in Japans zunehmende Hinwendung zu Blockchain-Technologie und Tokenisierung ein. Japan gilt dem Bericht zufolge als regulierungsfreundlicher Standort für die Krypto-Branche und versucht, traditionelle Finanzmärkte mit moderner Technologie zu verbinden.
Noch ist offen, welche Blockchain eingesetzt wird und wie das fertige System konkret aussehen soll. Sollte das Vorhaben umgesetzt werden, könnte Japan nach Einschätzung des Berichts einen neuen Standard für den globalen Kapitalmarkt setzen. Der Handel und die Abwicklung von Finanzanlagen ohne feste Öffnungszeiten wären dann nicht mehr nur ein Modell aus der Krypto-Branche, sondern könnten Teil der traditionellen Finanzwelt werden.
Zusammenfassung: Japan plant laut CoinPro.ch eine Blockchain-Infrastruktur für die Rund-um-die-Uhr-Abwicklung von Aktien und Staatsanleihen. Ein Fahrplan soll bis zum ersten Quartal 2027 entstehen, eine Einführung wird frühestens nach 2030 erwartet.
Einschätzung der Redaktion
Die drei Entwicklungen markieren denselben strategischen Wendepunkt: Blockchain wird zunehmend als Infrastrukturthema für etablierte Finanz- und Rechenzentrumsmodelle behandelt. Entscheidend ist weniger die Technologie selbst als ihre Einbettung in regulierte Systeme, belastbare Verträge und bestehende Zahlungswege.
Für Zentralbanken und Kapitalmärkte liegen die größten Chancen in schnelleren, automatisierbaren Abläufen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Rechtssicherheit, Ausfallschutz, Datenschutz und Interoperabilität. Ohne gemeinsame Standards droht die Fragmentierung vieler Einzellösungen.
Riot zeigt zudem, dass die wirtschaftliche Bedeutung von Rechenleistung und Energieinfrastruktur über das Kryptogeschäft hinauswächst. Die langfristige Tragfähigkeit hängt jedoch davon ab, ob die vertraglich gebundene Nachfrage dauerhaft profitabel bedient werden kann. Kursreaktionen können deshalb trotz strategischer Fortschritte kurzfristig skeptisch bleiben.
Zusammenfassung: Tokenisierte Finanzinfrastruktur und KI-Rechenzentren gewinnen an strategischer Relevanz. Der Erfolg wird letztlich durch Regulierung, Skalierbarkeit, Kapitaldisziplin und verlässliche Nachfrage bestimmt.
Quellen:















