HODLn oder Stop Loss? Was macht Sinn?

Veröffentlicht am: 18.02.2022
HODLn oder Stop Loss

Einführung

Sicherlich ist die Frage “HODLn oder Stop Loss?” eine der umstrittensten und schwierigsten Fragen in der Kryptobranche. Viele würden die Frage auch anders formulieren, “HODL oder Trading?”. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen die Möglichkeiten im Zusammenhang mit einem Stop Loss und die damit verbundenen Vor- und Nachteile. Natürlich erklären wir auch für die Einsteiger in der Branche in diesem Artikel die grundlegenden Begriffe und die Funktionsweise eines Stop Loss auf einer entsprechenden Börse. Nicht jeder Anbieter im Kryptospace unterstützt die Stop Loss Funktion. In der Regel funktioniert diese Einstellung nur bei “echten” Börsen.

Was ist HODLn?

Den meisten Nutzern in der Branche ist der Begriff “HODL” kein Fremdwort. Es bezeichnet im Wesentlichen eine langfristige Investment-Strategie. Anleger welcher dieser Strategie folgen, entscheiden sich für das “halten” ihrer Investition durch alle Marktphasen hindurch. Man könnte das HODL-Prinzip auch mit einer klassischen Value-Investing Strategie vergleichen. Beim HODLn wird weder in hoch Risiko-Phasen verkauft noch im bullischen Phasen Gewinne realisiert. Der Investor geht hier von einer langfristigen Steigerung des Wertes und einem gesicherten inneren Wert der “Geldanlage” aus.

Stop Loss und wie er funktioniert

Beim “Stop Loss” handelt es sich um eine Handelsfunktion von klassischen Börsen und Kryptobörsen. Der Stop Loss ist ein Werkzeug mit dem Trader täglich arbeiten und das sogenannte “Risk to Reward” Verhältnis setzen. Hierbei geht es um den Schutz des eingesetzten Kapitals. Eröffnet ein Händler einen Trade mit der Investmenthypothese auf einen steigenden Kurs, so muss er auch mit einem Scheitern rechnen. Im Falle einer Kursbewegung entgegen seiner Annahme, begrenzt der Trader seinen Verlust durch einen Stop Loss.

Ein einfaches Beispiel: Ein Händler kauft zu einem Kurs X einen Bitcoin. Er setzt nun einen Stop Loss (Verkaufsorder) bei 1% unter dem Kaufkurs und eine Verkaufsorder (Take Profit) bei 3% über dem Kaufkurs. Mit dieser Strategie hat der Trade ein “Risk to Reward” (Risiko zu Chance) Verhältnis von 1 zu 3.

Diesen Mechanismus kann man sich nicht nur als Trader zu Nutze machen, auch Investoren mit einem großen Portfolio bedienen sich dieser Strategie. In der Regel unterscheidet sich hierbei jedoch im wesentlichen das Risk to Reward Ratio.

Ein Beispiel aus Sicht eines Investors: Ein Investor kauft 20 Bitcoin zu einem Preis X. Bei 15% unter seine Einstiegskurs setzt der Investor einen Stop Loss (Verkaufsorder). Mit dieser Option sichert der Investor sein Kapital zumindest bis auf maximal 15% Verlust ab. Nun steigt der Kurs um 20% und der Investor setzt seine Stop Loss Order nicht mehr im Verlust sondern verschiebt die Order in den Gewinnbereich und sicher beispielsweise 15% des Gewinns ab. Die Stop Loss Order wird demnach 5% unter dem aktuellen Kurs gesetzt und regelmäßig nachgezogen. Sollte der Kurs also weiter steigen, profitiert der Investor weiterhin an der Steigerung, fällt der Kurs, sichert sich der Anleger seinen Gewinn.

So viel zur Theorie, leider hat das Thema Stop Loss einige Tücken die es zu beachten gilt. Im Folgenden gegen wir auf das Thema Steuern, Volatilität und auf die konkrete Funktionsweise der Stop Loss Order ein.

Stop Loss = Market Order! Vorsicht vor Spread!

Auf einer Börse wird zwischen zwei Arten von “Order” (Aufträgen) unterschieden. Die sogenannten “Limit-Order” setzt einen Auftrag in das Orderbuch. Trader die eine “Limit-Order” setzen, schreiben ihre Kauf und Verkaufs-Order in das Orderbuch und werden “Market Marker” genannt. In der Regel zahlen Market Maker weniger Gebühren als die “Market Taker”. (Unterscheid “Maker-Fee” und “Taker-Fee”). Taker sind Teilnehmer die Aufträge direkt gegen das Orderbuch ausführen.

Bitfinex Orderbuch

Eine Stop Loss Order ist in der Regel eine “Markt Order”, sie kostet demnach mehr Gebühren als eine Limit Order und das Risiko durch einen Spread ist bei dieser Order sehr hoch. Beim Spread handelt es sich um die Diskrepanz zwischen angebotenen und nachgefragten Preis.

Ein Beispiel: Der Trader will jetzt einen Bitcoin zum aktuellen Preis verkaufen und entscheidet sich für eine Markt Order. Leider bietet zum letzt gehandelten Preis nur jemand 0,5 Bitcoin an. Die restlichen 0,5 Bitcoin werden zum nächst besten Preis aus dem Orderbuch angeboten und ausgeführt.

Je größer die verkaufte Menge, desto größer ist in der Regel auch der Spread und der Effekt durch hohe Gebühren. Verkauf der Trade demnach einen Bitcoin, so könnte der Spread sich auf vielleicht 0,1% belaufen. Verkauft er jedoch 100 oder 1000 Bitcoin und der Markt ist gerade in einer schwachen Phase oder in eine Abwärtsbewegung, so könnte ein Spread auch mal 1-5% betragen. Sie würden demnach bei einem 15% Stop Loss am Ende vielleicht doch 16-20% verlieren.

Wenn zu diesem Thema noch Fragen offen sind, in unserer Community können Sie Ihre Fragen gerne unter dem Beitrag Stop Loss auf das Portfolio, Vor und Nachteile stellen.

Das Thema Steuerfreiheit

Ohne zu tief in das Thema Steuern eintauchen zu wollen, viele deutsche Anleger im Kryptospace entscheiden sich für eine Mindesthaltedauer von einem Jahr für ihr Krypto-Investment. Das Ziel ist die Steuerfreiheit nach einem Jahr als Privatanleger. Ein Stop Loss auf das “frische” Portfolio ist hinsichtlich der Haltefrist jedoch ein Problem. Im Augenblick des Verkaufs vor dem Ende der Haltefrist, erlischt die Steuerfreiheit. Bei Verlusten ist das natürlich kein Problem, setzt man seinen Stop Loss jedoch in den Profit, so fallen in diesem Augenblick Steuern an. (Keine steuerliche Beratung!).

So ist das Abwägen zwischen der Sicherung von Gewinnen und dem halten in bullischen Marktphasen ohne Sicherung eine sehr persönliche Entscheidung. Besonders bei Kryptowährungen sind Stop Loss ständig aufgrund der hohen Volatilität in Gefahr ausgeführt zu werden. Rechnen Sie zumindest bei einem Stop Loss im Profit die steuerliche Belastung mit in Ihre Gewinnkalkulation mit ein. In manchen Marktphasen kann es wirklich Sinn machen, Gewinn lieber mit Steuern zu nehmen als auf das Ende der Steuerfreiheit zu warten und sich dann im Bärenmarkt mit 50% Verlust wieder zu finden.

Aus eigener Erfahrung

An dieser Stellen möchte ich als Autor ein wenig über meine persönliche Erfahrung rund um das Thema Stop Loss berichten. Ende 2021 zum Zeitpunkt des neuen Allzeit Hochs, schaute ich auf die Historie der letzten Jahre. In der Regel gab es nach jedem Allzeit Hoch eine größere Korrektur. Da sich die Kryptowährungen bei uns in einer GmbH befinden, besteht für uns die Option der Steuerfreiheit leider nicht. Dennoch ist diese Perspektive auch aus Sicht eines Privatanlegers interessant. Ich entschied mich, 5% unter dem aktuellen Kurs auf mein gesamtes Portfolio eine Stop Loss Order zu setzen.

Währe der Markt nun weiter gestiegen, so hätte ich meine Stop Loss Order irgendwann mit entsprechend Abstand nachgezogen. Das zu erwartende Szenario trat jedoch ein, der Markt machte eine massive Korrektur, welche an der Börse als “Blow of Top” bezeichnet wird. Mein komplettes Portfolio wurde ausgestoppt. In der aktuellen Marktphase nach einem Dump von teilweise 70-80% mancher Coins, kaufe ich mich nun strategisch regelmäßig zurück in den Markt.

Aus meiner Erfahrung der letzten 5 Jahre in der Branche kann ich berichten, diese Strategie wird auch von so manchem großen Investor genutzt. Es geht hier also nicht um ein ständiges rein und raus aus dem Markt. Es geht um die Sicherung von Werten mit Augenmaß. Die Schwierigkeit ist hier das Timing und der Abstand für den Stop Loss und noch schwieriger wird dann der erneute Einstieg.

Fazit

Für die meisten Anleger ist die HODL Strategie eine stressfreie Lösung, ausgehend vom Glauben an einen langfristig steigenden Markt steckt hier auch das geringste Risiko. Wer es jedoch schafft, mit Augenmaß und Blick auf die wichtigsten Marktdaten einen guten Stop Loss und Re-Entry zu finden, der kann von dieser Methode stark profitieren. Natürlich gilt auch hier die alte Börsenweisheit: “Hin und Her macht die Taschen leer”.

Grundsätzlich erfordert das Trading seiner Portfolios viel Erfahrung und sollte nur von jemand ausgeführt werden, der nicht nur den Markt versteht sondern auch das Order-Form der entsprechenden Börse. Ein falscher Klick kann hier großen Schaden anrichten. Testen Sie also vor einer Order immer erst mit winzigen Summen und prüfen Sie das Ergebnis sorgfältig.

Wenn Sie noch Fragen zu diesem Beitrag haben, schreiben Sie uns gerne eine Kommentar unter diesen Artikel und diskutieren Sie mit uns die Vor und Nachteile.

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